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Szenen einer Ehe

Ja, da staunst du was, Computer? Hättest du wohl nie erwartet, dass ich dich verlasse! Aber ich habe es getan! Mir reicht es! Nicht nur, dass du deine dauernden Querelen mit W-Lan nicht endlich beilegen konntest. Nein, du musstest mich ja auch noch bis zur Weißglut treiben und dich dauernd weigern, die Aufträge auszuführen um die ich die gebeten habe. Und als dich dann gezwungen habe, es trotzdem zu tun, hast du aus lauter Bosheit die Daten, die ich dir anvertraut habe, vergessen und gelöscht. Das verstehe ich nicht unter Beziehung!

Pah. Du kannst mich mal, ich bin dich losgeworden und habe dich durch ein MacBook ersetzt. Ja! Da staunst du, was? Mit einem MacBook wirst du NIE mithalten können! Es sieht besser aus als du. Es ist kleiner und leichter als du und allein schon deswegen ein besserer Partner als du. Aber nicht nur das – sein Charakter ist auch noch viel freundlicher. Es ist viel logischer und tut immer genau was ich sage. Es ist übersichtlicher. Es ist stabiler. Es ist stylisher. Da kann so ein kleiner Wurm wie du ja schon mal gar nicht mithalten.
Aber das allerwichtigste Kriterium: Es und W-Lan sind die besten Freunde! Kein einziges Mal bis jetzt haben sich die beiden gestritten. Nie! Na, was sagst du dazu? Komisch, ne? Man kann sich mit einem W-Lan vertragen! Ja, es ist möglich!

Ich trauere dir nicht nach, PC. Mit Mac habe ich die eindeutig bessere Partie gemacht. Wir beide sind glücklich zusammen, viel glücklicher als ich es mit dir jemals gewesen bin. Ich hoffe, dass unsere Beziehung jetzt sehr lange andauern wird. Die ganze Welt steht uns beiden offen, wir haben so viele Möglichkeiten und das alles verdanke ich MacBook!
Ich möchte dich deshalb bitten, mich nicht mehr zu belästigen. Versuch es gar nicht erst. Ich habe mich entschieden. Gegen dich. Es war eine schöne Zeit mit dir, aber schönere Zeiten erwarten mich! MacBook und ich sind einfach die perfekten Partner! Verlass mich bitte nie wieder, MacBook!

In Liebe,

S.


17.1.08 23:43


Ein Einblick in andere Welten

„Vous êtes l’élite“ – ein Satz den wir hier fast täglich zu hören bekommen. Ein prestigeträchtiges Studium, das die zukünftige Elite Europas ausbildet. (Nein, das ist nicht meine Meinung sondern O-Ton meiner Professoren!) Und natürlich, wenn man zur zukünftigen Elite ausgebildet wird, dann muss man auch lernen, wie es ist Elite zu sein, als solche behandelt zu werden und sich als solche zu verhalten. Ein Glück, dass es meine Uni gibt, die nimmt so etwas nämlich in die Hand.
Gestern war ein großer Tag, wir wurden von einem unserer Dozenten (praktischerweise ein Oberst) eines Kurses „Die NATO im 21. Jahrhundert“ eingeladen, sein Regiment zu besuchen und so standen wir pünktlich um 9:30 morgens zu 15 Mann vor der Uni und stiegen in den Bus (der natürlich von der Uni gesponsert war). Am Regiment angekommen, wurden wir, nachdem wir von stramm salutierenden Soldaten eingelassen wurden, von einem capitaine mit Handschlag begrüßt und sofort in die sehr repräsentativen Räume des commandement geleitet. Für jeden von uns lag ein Dossier bereit, mit dem Programm des Tages, einigen Informationen zu dem Regiment; schön gebunden, kann man als Elite ja erwarten...
Wir nahmen unsere Plätze ein (alleine wegen dieser höchst komfortablen Sitze würde es sich schon lohnen, zum Militär zu gehen) und hatten dann erst einmal Zeit den Raum, in dem wir waren näher zu betrachten. Konferenztisch, in einem anderen Teil des Raumes die Stuhlreihen, wie wir saßen, überall Bilder des Regiments und seiner Einsätze. Dezente, aber halbwegs geschmackvolle Einrichtung.
Nach der Begrüßung durch unseren Oberst (in gaaanz toller Uniform...) und einem Vortrag über sein Regiment (was ist es, wozu dient es, Zahlen und Fakten, etc.) gingen wir dann zum nächsten Programmpunkt über, der „démonstration stratégique et dynamique“. Auf dem großen Platz vor dem Hauptgebäude wurden uns sämtliche Fahrzeuge des Transportregiments vorgeführt, erklärt und im Anschluss durften wir selbst sie natürlich auch noch aus der Nähe besichtigen. Zwischendurch hatten wir noch einen Pressetermin, mit höchst repräsentativen Fotos und den passenden Interviews. Die Fahrzeuge waren alle sehr interessant (bis zu 700 PS!) und es war sehr nett sich von den Soldaten alles erklären zu lassen und sich auch einmal in diese riesigen Kolosse hineinzusetzen.
Perfekt nach dem Zeitplan kam es dann um 11.45 Uhr zu einer Table ronde, wo wir eine halbe Stunde Zeit hatten, uns mit den Soldaten zu unterhalten und „festzustellen, dass sie gar nicht so anders sind als wir“. (Die Tatsache, dass diese Aussage im selben Satz wie „ihr seid die Elite“ genannt wurde, lässt allerdings etwas anderes vermuten...) Es war ein sehr angeregtes Gespräch und uns wurde ein beeindruckender Einblick in das Leben eines Soldaten geboten. (Was eine dolle Formulierung!) Am besten ist mir doch in Erinnerung geblieben, wie diese Menschen zu Politik stehen. Sie interessiert sie nämlich gar nicht, bzw. was ich damit sagen will ist, dass sie sich keine Meinung zu bilden haben, da sie, egal was die Politiker verlangen, im Dienste des Vaterlandes bis zum Äußersten gehen und ihre Pflicht erfüllen. Eine beeindruckende Disziplin.
Im Anschluss an diese Gesprächsrunde gab es dann den Apéritif (Kir Royal!) an dem wir uns weiter mit den Soldaten unterhalten konnten, auf den ausdrücklichen Wunsch des Oberst. ☺ Man ging gemeinsam in den Speisesaal wo uns das Essen gereicht wurde. In Astérix Légionnaire heißt es „Je schlechter das Essen, desto besser die Armee – ich wusste nicht, dass die römische Armee so gut ist!“ ICH wusste nicht, dass dieses Regiment – geht man einmal diesem Grundsatz aus - so schlecht ist. Das Essen war super, es gab Wein und mal wieder ein typisch französisches „Wir-stopfen-die-Weihnachtsgans“-Essen.
Interessant war, was uns die Soldaten und auch Soldatinnen (bevor mir hier von einem gewissen SanOA der Kopf abgerissen wird...) über den Speisesaal erzählt haben. Er hat zwei Stockwerke, im unteren essen die „normalen Soldaten“, zu trinken gibt es Wasser und Soft Drinks. Will man zum Essen auch Wein trinken – seine Mahlzeiten also etwas stilvoller gestalten – muss man schon mindestens den Offiziersrang erklommen haben. Auf diese Weise wurden bei uns die Soldaten, die extra für uns Wochenenddienst leisten mussten, etwas entschädigt. Wie sie uns erzählten: Wir sind 24/24 Stunden Soldaten und wenn wir über Weihnachten zu einer Mission müssen, dann ist es eben so. Es ist unsere Pflicht.
Im Anschluss, nachdem wir während des Mittagessens weiter gequatscht und uns noch mehr mit der Soldatenwelt vertraut gemacht hatten, ging es in die „lounge“, zum Kaffeetrinken. Die Einrichtung war der Wahnsinn, man würde nicht darauf kommen, dass man in einem Regiment war, es war hell, freundlich und gemütlich. Der Kellner, der uns schon beim Apéritif „bedient“ hatte, kümmerte sich auch hier um uns und wir hatten die Möglichkeit, unsere Gegenüber darüber aufzuklären, dass wir auch nur ganz normale Studenten sind und keine Diplomatenkinder, die durch die Eltern getrieben und durch verschiedene Verbindungen in eine Eliteuni eingeschleust wurden. Und sie waren mindestens genauso erstaunt über unsere Antworten wie wir es über ihre waren.
Trotz der weiterhin aufrechterhaltenen „Standesunterschiede“ – als Gäste des Oberst, ihrem großen Chef über knapp 1000 Menschen wurden wir mit größtmöglichem Respekt behandelt – gab es Annäherungen. Und euch Soldaten, SanOAs und was auch immer, ich kann euch inzwischen immer besser verstehen, wieso ihr zum Militär gegangen seid. Die Atmosphäre in diesem Regiment war super angenehm und es herrschte eine beeindruckende Kameradschaft. Was ich zwar immer noch nicht verstehen kann, ist, mit welcher Gelassenheit die gerade am Vortag erfahrene Nachricht, dass ein Drittel des Regiments bald in de Tschad geschickt wird, aufgenommen wurde. Die Disziplin und die Pflichterfüllung ist beeindruckend!
Alles in allem, also ein super Tag, den ich gerne in Erinnerung behalten werde.

14.1.08 11:27


IN MEMORIAM

Letzte Nacht hat ein Kommilitone Selbstmord begangen. Heute Morgen, als ich zur Uni kam, habe ich es dann erfahren. Offensichtlich als eine der ersten, denn der Großteil der anderes Studenten wusste noch nicht Bescheid. Bis jetzt wusste ich nicht, wie schwer es ist, so eine Nachricht mitzuteilen.
Mein Dozent ließ seinen Unterricht ausfallen und ließ uns offen, wie und wo wir damit umgehen. Nach kurzer Zeit wussten all 200 Studenten Bescheid und in der Uni herrschte ein Schockzustand wie ich ihn noch nie vorher erlebt hatte. Es war eine eiserne Stille überall standen wir Studenten rum und versuchten zu verstehen. Eine gespenstische Atmosphäre herrscht vor. Mittags hatten wir dann eine gemeinsame Sitzung mit dem Direktor, der extra aus Strasbourg zurückgekommen war, und allen anderen Mitarbeitern der Uni. Auch dies eine sehr gespenstische und vor allem traurige Veranstaltung. Und über allem schwebte ein Wort: Warum? Wie konnte so etwas passieren?

Ich kannte diesen Kommilitonen als lebenslustig, offen, freundlich, engagiert aber wir hatten keinen richtigen Draht zueinander. Der große Druck hier an der Uni schien ihm nichts auszumachen und am als ich Anfang des Semesters mit ihm sprach, hatte ich den Eindruck, dass er wahnsinnig stolz darauf war, an Sciences Po zu sein. Und trotzdem ist es passiert. Die Frage, die sich alle stellen ist vor allem die: Ist der Druck an Sciences Po zu groß? Sicherlich, hier wird das äußerste von einem verlangt. Man muss seinen Tag genau einteilen und sehr diszipliniert arbeiten, wenn man den Arbeitsberg meistern will. Wenn ich mich in meinen letzten Einträgen über den Haufen an Arbeit beschwert habe, dann war das gar nix, außer vielleicht das stöhnen einer faulen Sau, die in ihrem Leben bis jetzt noch nie richtige Arbeit kennen gelernt hat und plötzlich feststellen muss, dass sie den Tag nicht nur mit freizeitlichen Aktivitäten verbringen kann. Was wirklich Arbeit ist, konnte ich diesen November erfahren: 4 Referate (die die Hälfte der Halbjahresnote ausmachen), eine Dissertation (8 Seiten), eine Hausarbeit (5 Seiten), ein Revue de Presse (eine Art Referat über die Ereignisse der letzten Woche, zusammengestellt aus sämtlichen wichtigen Zeitungen der Welt), regelmäßiges Lernen für die berüchtigten Tests de Connaissance und möglichst auch noch Aufarbeiten und Wiederholen der Vorlesungen um die Zwischenprüfungen am 8. und 15.12. mit heiler Haut zu überstehen. Freizeit bleibt da nicht. Und den Kopf kriegt man auch nicht frei. Man denkt von Aufgabe zu Aufgabe, von Referat zu Referat und muss immer wieder geschockt feststellen, dass schon wieder Wochenende ist. Und ganz unstudentisch muss ich mal sagen: Wochenende ist Mist. Denn 1. bedeutet das, dass schon wieder eine Woche rum ist, obwohl gerade erst Montag war. Aber der Berg an Arbeit vor einem scheint ebenso wenig wie ich gemerkt zu haben, dass ich gerade mal wieder eine Woche durchgearbeitet habe. Und 2., das Wochenende bedeutet nichts anderes, als knapp 48 Stunden in seinem Zimmer zu verbringen, davon 24 am Schreibtisch. Und gerade im November ist so etwas besonders schlimm. Das Wetter ist grau, es regnet, es ist kalt. Es wird früh dunkel, es wird spät hell. Und auch andere Umstände spielen dort noch mit rein: alles um einen herum scheint tot zu sein: Die Bäume haben keine Blätter mehr, die Wiesen verlieren an grün. Das drückt auf die Stimmung und ich habe nicht selten in den letzten 4 Wochen gedacht „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“.

Man muss versuchen, sich Ausgleiche zu schaffen. Mein Sonntagabend gehört mir und meinen Freunden hier. In der Woche chatte ich an den Abenden um mich etwas abzulenken. (Was nicht unbedingt viel hilft, wenn man nebenbei arbeitet).
Trotzdem, das Leben hier und vor allem an der Uni ist schön. Insofern, dass wirklich eine familiäre und freundliche Atmosphäre herrscht. Jeder Erstsemestler hat eine Patin oder einen Paten, der einem über die anfänglichen Schwierigkeiten hinweghilft und indirekt auch direkt integriert. Wir haben diese Angebote als selbstverständlich hingenommen, höchstens vielleicht gedacht: huch, schöne Sache. Und doch, das heutige Ereignis hat uns allen vor Augen geführt, dass wir an dieser Uni im Endeffekt eigentlich eine große Familie sind. Wir sind alle im selben Boot und es herrscht ein Vertrauensverhältnis vor. Vielmehr wurde heute noch einmal betont, dass genau so ein Verhältnis herrscht. Für uns Studenten wird psychologische Betreuung angeboten, denn die Administration ist sich im Klaren darüber, dass auf uns Studenten ein ungeheurer Druck lastet, den sie auch gut heißt. Auf diese Weise lernt man am meisten. Und das meine ich nicht ironisch. Wenn jemand gezwungen ist zu arbeiten, dann arbeitet er auch. Aber er muss mit Druck umgehen können.

Das makabere an dieser Geschichte ist, dass wir uns am Anfang des Jahres noch über die Tatsache lustig gemacht haben, dass in den oberen Stockwerken die Fenster abgeschlossen sind. „Es könnte ja jemand rausspringen!“ Wozu brauchen wir einen Psychologen? Wir sind doch nicht krank!

Auf grausame Weise wurde uns allen (Studenten, Dozenten, Mitarbeiter) vor Augen geführt, dass solche Einrichtungen nicht alibimäßig eingerichtet sind, sondern tatsächlich durchdacht sind. Dieses Ereignis hat uns zusammen geschweißt. Uns verbindet die Erkenntnis, die vorher wenn überhaupt nur unterschwellig vorhanden war, dass –egal wie groß der Druck der Studien ist – das Leben aus etwas anderem als Wissensaneignung besteht. Eine Tatsache, die wir Elitestudenten leider gerne mal vergessen. Die Erinnerung an unseren Kommilitonen wird uns hoffentlich ein ewiges Mahnmal dessen sein.

In Memoriam.

30.11.07 22:50


Eine etwas andere Liebeserklärung...

Mein allerliebster Computer!

Ich wüsste nicht, was ich ohne dich anfangen soll. Du bist mein allerbester Freund geworden und begleitest mich überall hin. Ohne dich könnte ich nicht mehr leben, denn mit dir verbringe ich die meiste Zeit des Tages.

Du unterstützt mich bei meinen Vorlesungen tatkräftig. Mein ehemals bester Freund, der College-Block, der hat ausgedient, du bist einfach viel cooler. Und du nimmst mir so viel Arbeit ab, das liebe ich an dir. Wenn ich Tippfehler mache, dann weist du mich sofort darauf hin und sprachlich bist du auch ein Genie, denn mit deinen fließenden Sprachkenntnissen zeigst du mir sofort die Verbesserungen an. Dein Word-Gedächtnis ist wirklich fabelhaft!

Und wenn du erst mal deine Teamarbeit mit dem Internet anfängst, da könnte ich dich abknutschen! Dank dir lebe ich knapp 24 Stunden am Tag online und checke dauernd meine Mails, denn es könnte ja sein, dass ich neue Nachrichten von meiner Uni bekommen habe, die mir sagen, dass irgendwelche Kurse ausfallen. Denn unsere dicke Freundschaft habe ich eigentlich erst Sciences Po zu verdanken, denn sie haben schon viel früher als ich rausbekommen, dass du das einzig Wahre bist. Die gesamte Kommunikation lassen sie über dich laufen. Digital ist eben in!
Wenn ich dann mal ausnahmsweise nicht mit dir zusammen für die Uni arbeite, dann kann ich über dich sämtliche Tageszeitungen lesen, die mir so gefallen: Le Monde, New York Times, Kölner Stadtanzeiger, den Spiegel, FaZ und was nicht sonst noch alles: ich schaue die Tagesschau mit dir zusammen und pflege meine Kontakte in die Welt. Ja, wirklich, du stellst für mich das wichtigste Bindeglied in meine Heimat dar. Und du bringst sie für mich ein Stück näher.

Was würde ich nur ohne dich machen? Meine Zeit damit verschwenden, sinnlose Bücher zu lesen, meine sozialen Kontakte pflegen, entspannen, an die frische Luft gehen. Wozu brauche ich sowas, wenn ich doch dich habe und du mir von meiner Uni so sehr ans Herz gelegt wurdest? Wie sehr ich die Dozenten hasse, die mir verbieten, mit dir zusammen ihre Kurse zu folgen. Da muss ich tatsächlich einen Stift zur Hand nehmen und mitschreiben. Per Hand! Das ist ja wie in der Steinzeit, als die Notizen noch viel persönlicher waren, weil per Hand geschrieben. Da ging das auch noch so schnell mit dem mitschreiben und die wahnsinnige Freude des Tippfehler-Korrigierens war uns noch gar nicht gegönnt…nein, ich vermisse diese Zeit des Noch-Im-Richtigen-Primitiven-Leben-Stehens überhaupt nicht!
Meine Augen werden zwar jeden Tag schlechter und abends habe ich oft Kopfschmerzen weil ich dich immer wieder angucken muss. Aber ich will mich nicht beschweren. Jede Freundschaft erfordert opfer und ich will nicht so egoistisch sein und nur deswegen nichts mehr mit dir zu tun haben. Außerdem - solche Opfer bringe ich doch gerne, mir geht nichts über unsere Freundschaft!!

Natürlich, auch du hast deine Fehler, aber die akzeptiere ich doch gerne, das macht man schließlich so unter besten Freunden. Deine Grundeinstellung gefällt mir zwar überhaupt nicht (ehrlich mal, wie kann man nur Windows Vista haben?) aber ich hoffe deine Therapie im Januar 2008, das Service Pack 1, wird das bessern. Dass du auch dauernd im Streit mit meinem anderen Freund, dem W-Lan, liegst, kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Müsst ihr denn wirklich dauernd aus lauter Frust die Verbindung zueinander abbrechen? Versteht doch, ich brauche euch beide!!

Verlasse mich bitte nie wieder, mein herzallerliebster Computer! Ich hoffe, wir werden uns nie streiten oder uns ernsthaft in den Haaren liegen, denn ich glaube, du kennst meine Schwachstellen und du würdest sie mit einer sadistischen Freude hemmungslos ausnutzen. Du weißt, dass für mich mindestens eine Welt untergehen würde, wenn du nicht mehr mit mir sprechen oder mir den Zugang zu den Früchten unserer gemeinsamen Arbeit verwehren würdest. Aber ich kenne dich doch. Du liebst es zwar rumzuzicken, aber ich kriege dich immer wieder dazu, wieder lieb zu mir zu sein. Was haben wir nur für ein harmonisches Verhältnis! Lass uns für immer zusammen bleiben!!

In Liebe,

S.

21.10.07 23:14


Abenteuer Ausland - Teil III

Uff. Zwei ereignisreiche Wochen liegen hinter mir. Und jetzt – Sonntagabend immerhin – schaffe ich es endlich mal wieder, mich auch um meinen Blog zu kümmern. Huiuiui. Es gibt viieeeel zu erzählen. Also schafft euch schon mal Proviant an den Computer und schaut, dass ihr in den nächsten Stunden keine Termine habt. Ihr habt mal wieder die Lektüre eines Romans vor euch!!!

Einiges ist schon so lange her, dass ich tatsächlich mal das Programm von meinem stage d’intégration zur Hand nehmen muss um mich noch zu erinnern. Also. Nach einer durchfeierten Nacht in der angesagtesten Disco an der Place Stan sind wir am Freitag, 28.9. um 6:45 (!)nach Paris zu feierlichen Rentrée in unserer „Mutteruni“ gefahren, denn wir sind ja nur ein delokalisierter Campus. So hatten wir dann in Paris die Möglichkeit, auch mal die anderen Studenten kennen zu lernen. Es gibt nämlich neben Paris nicht nur den deutsch-französischen Campus, sondern auch den französisch-asiatischen, den französisch-spanischen, den französisch-arabischen und ich glaube auch noch andere, auf die ich im Moment nicht komme. Der Kommentar von einigen anderen Deutschen, die vorher schon ein Jahr studiert hatten, zu der Uni in Paris war „Hier sieht es wenigstens aus wie in einer richtigen Uni“. Und da musste ich zugeben (mit meiner wahnsinnigen Erfahrung^^), sie hatten Recht. Unsere süße kleine Uni in Nancy ist echt sehr steril. Keine Schmierereien auf den Tischen, Plakate nur an den dafür vorgesehenen Plätzen und alles in schönen freundlichen Farben gestrichen. Paris ist auch noch sehr schön, aber halt viel größer und in dem historischen Hörsaal haben sich auf den Tischen schon Generationen von Studenten verewigt. Dann hatten wir erstmal eine Runde Reden über uns ergehen zu lassen, vom obersten Direktor Richard Descoings höchstpersönlich (der, wie ich im Nachhinein auf meine Frage, für dich mich die Franzosen angesehen haben, als käme ich von einem anderen Stern, erfahren habe, eine bekannte Persönlichkeit in Frankreich ist… )und auch noch von jemand anderem (ich habe den Verdacht, dass auch er in Frankreich sehr bekannt ist, ich unwissendes Etwas^^). Diese Reden hatten im Prinzip mal wieder den gleichen Inhalt: Bleibt bescheiden. (Klammer auf; Exkurs Anfang) Inzwischen kann ich das ganze eigentlich wirklich nur noch als Sarkasmus ansehen. Vor vier Tagen trudelte nämlich eine Mail von meinem Nancy-er Direktor in mein Postfach, der uns ganz stolz von einem neuen Uniranking erzählte, blablabla. Der Tenor dieser Speicherplatzverschwendung war im Endeffekt „Studenten kniet nieder, ihr studiert an der achtbesten Uni der Welt!“ Bescheiden bleiben. Danke. Natürlich. Am besten so, wie die ganze Administration oder so. Da haben wir ja echt die besten Vorbilder… Die spinnen die Franzosen! (ja, streicht es in eurem Kalender an: ich meine es wirklich so!!^^)(Klammer zu; Exkurs Ende)
Am Nachmittag hatten wir dann noch alle zusammen eine Vorlesung auf Französisch: ein echter Härtetest. Aber es hat mich doch erstaunt, wie viel ich verstanden habe. Den Rest des Nachmittags hatten wir frei und durften ihn im schönen Paris verbringen. Es hat an diesem Tag geschüttet wie Sau, also war unsere einzige Besichtigung ein kleines Straßencafé, wo wir uns dann aufgewärmt haben. Abends ging’s dann mit dem TGV zurück nach Nancy, wo wir knapp eine halbe Stunde Zeit hatten, um unsere Sachen zu holen und uns dann auf den Weg zum weekend d’intégration zu machen. Dieses Wochenende haben wir in einer wunderschönen Jugendherberge in den Vogesen verbracht. Wir waren mitten in der Wildnis, fernab von jeglicher Zivilisation und konnten Krach machen bis zum Morgengrauen. Das haben wir dann auch gemacht…Gefrühstückt wurde so gegen 12 oder 1 Uhr mittags. Es war eine wirklich geile Fahrt, wie eine Klassenfahrt (wir haben in einem 8er-Zimmer mit Doppelstockbetten geschlafen!) nur ohne Lehrer! Sonntag haben wir dann einige Gruppen gebildet und haben gemeinsam etwas unternommen. Ich war auf einem wunderschönen Stausee Kanu fahren. Sonntagabend sind wir dann rechtschaffen kaputt wieder in Nancy angekommen und am Montag ging es dann direkt volle Kanone mit der Uni los.
Jaa. Was lässt sich alles zur Uni berichten. Die Kurse hier finde ich alle sehr interessant. Mit den französischen Vorlesungen komme ich erstaunlich gut zurecht, denn ich habe sehr nette Professoren, die sehr langsam und deutlich sprechen und wenn etwas wichtig ist, dann sprechen sie noch langsamer und deutlicher und wiederholen die Sätze extra nochmal. Dagegen ist die Geschichtsvorlesung auf Deutsch schon hart. Das sage sogar ich als Deutsche, denn der Prof klickt seine (extrem schlecht gemachte) Power-Point-Präsentation (die hier an Sciences Po Pflicht Nummer 1 bei Referaten, Exposés, Vorlesungen etc. ist… ) nur durch, redet extrem schnell, so dass man weder mit dem PC noch per Hand ordentlich mitschreiben kann, liest seine gesamte Vorlesung von seinem Manuskript ab – in einem Affenzahn – und glaubt von sich sowieso er wäre der Beste. (In den 10 Minuten, in denen er sich vorgestellt hat, hat er mindestens fünf Mal seine Habilitationsschriften erwähnt, frei nach dem Motto „Ich weiß was und ihr nicht, was seid ihr nur für dumme, lebensunwerte Kreaturen“ ) Trotzdem liebe ich seine Kurse, denn – nein, ich schäme mich nicht dafür – es erfüllt mich doch mit einer gewissen Schadenfreude, auch mal zu sehen, wie den Franzosen alle Felle wegschwimmen und sie einfach nichts mehr raffen. *ganzfiesgrins*
Zu fast jeder Vorlesung haben wir auch noch ein Proseminar (ich glaube jedenfalls, dass man es auf Deutsch so nennt^^), wo wir ergänzend zu den Vorlesungen den Stoff noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und uns etwas intensiver und vor allem aktiv damit auseinandersetzen. Da ist mein Lieblingskurs eindeutig Geschichte – auf Deutsch! Das ganze da läuft nämlich nicht so regelkonform und autoritär ab. Es fällt mir immer noch extrem schwer, mich in ein so autoritäres System einzufinden, das mir selbst genau die Struktur („2 parties, 2 sous-parties“ ), die Länge (10 Minuten, sonst gibt es Punktabzüge, ebenso wie wenn eine partie des Referats länger als 2 Minuten dauert, bzw länger als eine andere ist… ) und die Präsentationsform (Powerpoint: der Gott des exposés!!!) meiner Referate vorgibt. Man sagt immer, die Deutschen wären so ordentlich und so strukturgeil. Die Franzosen sind da eindeutig viel schlimmer!!!!
Was die anderen Proseminare angeht, die sind schwerer, denn sie sind auf Französisch. Aber auch da komme ich eigentlich recht gut klar, denn wir wiederholen viel, bzw. wir fangen in Wirtschaft z.B. ganz von vorne an. Sehr viele Franzosen hier hatten noch nie in ihrem Leben Politik- oder Wirtschaftsunterricht, weil es „unprestigiös“ ist, einen „bac“ mit gesellschaftswissenschaftlicher Orientierung zu machen. Die Naturwissenschaften (der „bac S“ ) haben einfach viel mehr Prestige, zur Not kann man auch einen literarischen „bac L“ machen, das wird dann gerade so noch akzeptiert, aber ein „bac ES“ (also gesellschaftswissenschaftlich), das machen nur die Schulversager, die zu doof für die beiden anderen „bacs“ sind. Naja, meine Meinung dazu fällt unter meinen vorigen Blog-Eintrag…
Meine Sprachkurse sind ganz lustig. Ich habe in Englisch und Französisch niveau 3 erreicht, das heißt ich habe mittel bis starke Kenntnisse. Nun ja. Niveau 4 wäre mir lieber gewesen, aber zum Semesterende kann man ja wechseln. Die Lehrer hier sind alle Muttersprachler, so dass ich einmal in der Woche richtig schönes American und British English höre. Das tut gut! Nur wenn ich gerade einen Englischkurs hinter mir habe, dann kriege ich kein ordentliches Wort mehr raus, bzw. ich mixe alle Sprachen. Im Moment habe ich echt den Eindruck, dass ich keine einzige Sprache mehr ordentlich beherrsche. Versuche ich Englisch zu schreiben, kann ich sicher sein, dass es “franglais“ ist. Ich benutze zwar englisch klingende Ausdrücke, im Endeffekt übernehme ich aber doch nur französische Redewendungen und übersetze sie. Wenn ich Deutsch rede, kann es sehr gut passieren, dass ich, wenn ich ein französisches Wort einbaue, plötzlich auf Französisch weiter rede. Eigentlich sprechen wir an der Uni immer einen Mix aus drei Sprachen. Die internationale Ambiance (da haben wir es wieder: ich kriege das Wort „Atmosphäre“ einfach nicht mehr über die Lippen, bzw. auf den Bildschirm… ) hier gefällt mir wahnsinnig gut.
Aber auch wenn ich euch eigentlich nur positives berichte, möchte ich doch keine Illusionen aufkommen lassen: ich habe hier – um es mal auf gut Deutsch auszudrücken – den Arsch voll Arbeit. Es wird erwartet, dass ich mich auf jede Stunde vorbereite – abgesichert wird das dann über Wissenstests am Anfang jeder Stunde. Hausaufgaben kriege ich selbstredend auch noch auf. Natürlich ist es sinnvoll, die ganzen Notizen aus den Vorlesungen noch einmal über- und vor allem aufzuarbeiten. Dann wird in jedem Fach ein perfekt recherchiertes (und wahnsinnig spezielles) Referat erwartet (s.o.) und Hausarbeiten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Kurz gesagt, der Berg an Arbeit vor mir hat schon beträchtliche Ausmaße angenommen, die ich nur durch fünf Stunden extreme-arbeiting in der Unibibliothek am Freitag halbwegs zum schrumpfen bringen konnte. Aber ich will mich nicht beschweren, denn eigentlich bin ich auch wegen dieses Berges an Arbeit hier her gekommen. Nur meine faule, von der deutschen Oberstufe verwöhnte, Charakterseite rebelliert doch noch stark. Aber ich brauche gar nicht erst dran zu denken, mein in der Oberstufe perfektioniertes System des „Scheiß-auf-die-Hausaufgaben-mach-lieber-was-sinnvolles“ hier fortzuführen. Das würde keinen Tag lang gut gehen. Also: arbeiten, arbeiten, arbeiten. A propos, da kann ich gleich mal euch Kölner Studenten fragen: Hat irgendjemand von euch ne Ahnung, ob ich in Köln in die Unibibliothek (Abteilung Geschichte& evtl. Jura) einfach so reinkomme? Brauche ich dafür einen Studentenausweis und wenn ja, würden die auch meinen französischen akzeptieren?? Meine Semaine de Lecture kann nämlich leider nicht nur aus feiern mit euch bestehen…

Inzwischen habe ich auch schon viele Freunde hier gefunden, sodass meine Wochenenden inzwischen auch schon immer ausgebucht sind. Trotzdem, ich zähle die Tage rückwärts, bis ich endlich wieder in Köln bin: am 26.10. abends gegen 10 Uhr habt ihr mich wieder!!! Da habe ich nämlich eine Woche Ferien (Entschuldigung – semaine de lecture wollte ich sagen^^). Ich freue mich schon wahnsinnig!!!

So, jetzt habe ich keine Lust mehr, etwas zu schreiben. Alles Wichtige ist auch erzählt, den Rest dann mündlich!

15.10.07 21:29


Reflexion über Autoritätsgläubigkeit

In der letzten Woche - wir hatten immernoch unser stage d'intégration - hatten wir 4 Vorlesungen die sich "méthodologie" nannten. Eigentlich sollten wir da etwas über Methoden lernen, vor allem, wie man eine richtige französische Dissertation schreibt. Jetzt wr aber der Dozent ein Philosophiedoktorant...und von den 4 Stunden hat er sich 3 groß und breit über Philosophie ausgelassen und uns die ganzen Theorien von wem auch immer an den Kopf geworfen. Das hat vor allem die Deutschen sehr gestört - und so haben wir nach (wenn überhaupt) einer Stunde Bemühen irgendwie mitzukommen, aufgegeben und sind lieber ins Internet gegangen (es lebe Wlan im Unigebäude!!!) und haben ein bisschen gechattet. Es war ja weniger das Problem, dass der Typ sich so sehr auf die Philosophie konzentriert hat, eigentlich mag ich Philo ganz gerne, auch wenn ich es nie in der Schule gewählt habe, aber wenn er schon eine Powerpointpräsentation als Visualisierung wählt, dann erwarte ich doch irgendwie, dass nicht 2 Stunden auf dem Beamer "Le savant et le politique" steht. Jedenfalls habe ich dann abends mit Franzosen darüber gesprochen, vielmehr, wir hatten eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema. Tenor von ihren Argumenten war tatsächlich:
"Unsere Uni ist die drittbeste in Frankreich, also sind die Profs das auch, und deswegen haben wir nicht das Recht, sie zu kritisieren und sind deswegen außerdem auch verpflichtet aufzupassen"
Auwei - das war ein Schlag ins Gesicht für mich. So hatte ich das nämlich noch gar nicht gesehen. Ich habe viel darüber nachgedacht, aber ich kann so eine Aussage einfach nicht nachvollziehen. Für die Franzosen hier ist es eine wahnsinnige Leistung, an Sciences Po aufgenommen zu sein (ok, für alle anderen auch...), denn diese Universität hat Prestige. Es stimmt schon, In Frankreich ist sie die beste in ihrem Gebiet und weltweit zählt sie glaube ich zu den 10 besten Unis. Aber ja und??? Ich gehe doch nicht auf eine Uni, weil sie Prestige hat, sondern weil mich ihre Fächer interessieren: bei mir war es vor allem die Internationalität und die Pluridisziplinarität, die mich so fasziniert hat. Die meisten Deutschen wusste vorher gar nicht so genau, was genau Sciences Po eigentlich ist. Was mich betrifft - ich habe es schon in Ansätzen gewusst, aber das ganze Ausmaß war auch mir nicht klar. Aber bei den Franzosen? Im Gegentei! Viele sind vor allem aus Prestigegründen hier. Das schließt nicht automatisch aus, dass sie sich für die ganzen Fächer interessieren, aber trotzdem. In den 3 Reden von irgendwelchen Direktoren von Sciences Po haben die Redner sich sicherlich nicht umsonst den größten Teil der Zeit zu dem Thema "Bleibt auf dem Boden, ihr seid nicht besser als die anderen, jetzt gehts erst los, ihr habt noch nichts geschafft" geäußert.
Die Profs der Uni wollen auch gezielt unser kritisches Denken fördern, wir haben zum Beispiel am Ende des Jahres eine große Evaluation, wo wir unsere Profs benoten können. Also soll ich, wenn ich berechtigt und konstruktiv kritisieren will, mit meiner Meinung hinter dem Berg halten, bloß weil es sich nicht schickt, einen Prof zu kritisieren? Nein! Uns Deutschen wurde das anders beigebracht, oder viel mehr, uns wurde dieser Autoritätsglaube nicht eingeflößt. Und das ist auch gut so. Ich möchte weiterhin das Recht haben, etwas zu kritisieren und nicht verpflichtet sein, etwas zu machen, bloß weil das Prestige es verlangt.
Und was dieses schöne Fazit angeht: beste Uni = beste Profs - auch da kann ich nicht zustimmen. Sind nicht so viele hochintellektuelle Menschen so sehr in ihrer Materie drin, dass sie sozusagen die Verbindung zum realen Leben etwas verlieren? Dass sie einfach in einer anderen Welt leben? Oder dass sie sich einfach immer so auf ihr Fach konzentriert haben und dabei ganz vergessen haben, dass man als Dozent auch andere als nur fachliche Fähigkeiten haben sollte? Ich weiß nicht, wie das an meiner Uni ist, das habe ich noch nicht mitbekommen. Aber mein méthodologie Kurs war kein schlechtes Beispiel dafür...
Ich hoffe, dass ich die Probleme, die mir zum Teil schon mein Französisch LK bereitet hat - oder viel mehr die dort vorherrschenden Lehrmethoden und Lehrauffassungen - sich hier so nicht fortsetzen. Das wäre sehr schade, denn dieses Studium ist darauf ausgelegt, unsere heutige Gesellschaft in ihren Tiefen zu durchschauen, um darauf basierend etwas ändern zu können. Sollte unser (deutscher?) natürlicher, kritischer Sinn hier unterdrückt werden, wäre es doch ein starkes Manko...
1.10.07 22:48


Abenteuer Ausland - Teil II

So, ihr Lieben – mehr als eine Woche meines „stage d’intégration“ ist schon rum und bis jetzt bin ich in meiner Ansicht, die richtige Uni gewählt zu haben, eigentlich nur bestärkt worden. Aber ich sollte von vorne beginnen. Am Donnerstag, 13.9. hatten wir morgens, nach einem gemeinsamen Frühstück, den offiziellen Empfang vom Direktor. Zuerst bekamen wir eine kleine Kostprobe von der Oper von Nancy, denn unser Sprachenkoordinator ist auch gleichzeitig Sänger dort. Und so fing dieser Empfang mit dem „Vogelfänger“ an. Die Rede des Direktors vier Stunden gedauert…aber aber sie war auch wirklich interessant. Das Konzept von Sciences Po hat mich doch sehr stark an das Konzept der modernen Schule erinnert. Das Gebäude selber ist top ausgestattet. Dank W-Lan kann man sich überall ins Internet einloggen – was auch gerne mal zu kleinen MSN oder ICQ-Einlagen mitten in der Vorlesung führt, wie mir meine Patin berichtet hat…
Wir haben unseren hauseigenen Informatiker, der sich um das ganze Technikequipment (beeindruckend!!! Wir haben zum Beispiel auch Vorlesungen direkt aus Paris, die live per Videokonferenz übertragen werden und die wir hinterher nochmal auf einem Server – youtube ähnlich – anschauen können.) und auch um die zusammengebrochenen Rechner der Studenten kümmert. Die Hörsääle und die ganze Uni sind in einem super Zustand. Keine Kritzeleien auf den Tischen, alles hell und freundlich, also eine perfekte Lernatmosphäre . Man hat im Prinzip überall die Möglichkeit, sich mal kurz hinzusetzen und schnell ins Internet zu gehen. Wir haben einen kleinen Freizeitraum, wo Sofas stehen, die Schließfächer sind und wo sich auch ein Kicker befindet, sodass wir auch unseren Kopf mal frei kriegen können.
Was die Studenten hier angeht – Respekt! Der Direktor hat keinen Zweifel daran gelassen, dass wir ja hier an diese Uni kommen wollten und dass wir dafür große Anstrengungen unternommen haben (Bewerbungsdossier schicken, Bewerbungsgespräch meistern, etc… und dass deswegen auch erwartet wird, dass wir arbeiten. Daran habe ich keinen Zweifel. Es hört sich arrogant an, es so zu formulieren, aber es ist so: hier an dieser Uni befindet sich die Elite. Es gibt unheimlich viele „franco-allemands“ , die sowohl Deutsch als auch Französisch fließend sprechen; von Deutschen hat ein sehr großer Teil schonmal in Frankreich gelebt oder hat schon ein Jahr Französischstudium hinter sich. Sehr viele Leute haben den Abibac gemacht. Das kann einem so als ganz „normalen“ Menschen – deutsch, Abitur, noch nie in Frankreich gelebt, keine französisch-stämmige Verwandtschaft – schon verdammt viel Respekt einflößen. Ich habe häufig den Eindruck, mein Französisch ist unter aller Sau. Und, ja ich schäme mich auch dafür, in den letzten Tagen habe ich meistens mit Deutschen rumgehangen und natürlich Deutsch gesprochen… Aber auf der anderen Seite glaube ich, hier auch die Herausforderungen zu finden, die mir in der Schule zum Teil gefehlt haben. (Mist, schon wieder kommt diese Arroganz durch, obwohl ich es gar nicht so meine…) Ich glaube, es wird noch eine Weile dauern, bis wir alle hier kapieren werden, dass alle an dieser Uni früher schon zu den verdammt Guten gehört haben und dass hier andere Maßstäbe gelten als an unseren alten Schulen. Ich finde es aber auch irgendwie angenehm und auch sehr lustig, wenn man auf die Frage nach dem Abischnitt mit 1,1 antwortet, nicht mit tellergroßen Augen angeguckt wird und gefragt wird, ob man den dafür in den letzten beiden Jahren an der Schule überhaupt noch etwas anderes gemacht habe als lernen und wo der Hintergedanke „Streber!!“ einen geradezu anschreit, sondern wo man nur ein sehr erfreutes Lächeln und „Echt? Das ist ja lustig, ich auch!“ erntet. Ein sehr großer Teil der Deutschen hier wurden alle für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen und so haben wir uns auch schon gut austauschen können, wie man denn seinen schriftlichen Lebenslauf am besten gestaltet…
Insgesamt habe ich eigentlich den Eindruck, in einer Art fortgesetzten Profilklasse zu sein. Uns alle hier verbindet das große Interesse an dem, was wir studieren werde. Hier diskutieren wir nicht am Morgen über die neuesten Entwicklungen in „Desperate housewives“, sondern eher über aktuelle politische Themen. (Zugegeben – das hört sich jetzt todlangweilig und spießig an, ist es aber nicht ;-) )

Elodie und ich haben uns inzwischen abgesprochen, sodass jede von uns immer mal eine Zeitung kauft, und wir die dann hinterher austauschen können. Ein anderes Projekt von uns ist auch noch, dass wir uns dann gegenseitig auf der jeweiligen Fremdsprache erzählen, was in der Welt so vor sich geht. Naja, realisiert haben wir das allerdings noch nicht :-P.
Jetzt am Wochenende ist hier in Nancy eine große Büchermesse „Livres sur la place“, wo die neuesten Bucherscheinungen vorgestellt werden. Das riesige Zelt, wo sich das alles abspielt, ist (mal wieder ;-) ) ganz nah von meinem foyer gelegen (5 Min zu Fuß, und so war ich in den letzten zwei Tagen auch zwei Mal schon dort. Mein armes Studentinnenbudget – es wurde mal wieder arg strapaziert. Bei Büchern kann ich einfach nicht widerstehen!! Aber wenigstens habe ich mir ein Buch gekauft, das mein Studium unterstützen wird: „L'Europe centrale et orientale“. Ich musste doch meine Uni – die auch einen Stand dort hatte – unterstützen. Aber im Moment hadere ich mit mir, ob ich nicht doch lieber andere Bücher hätte kaufen sollen: „Philosophie des relations internationales“ z.B....Ach man, die Bücher da waren alle so interessant! Naja, im Moment bin ich sowieso erstmal noch mit Sebastian Haffner - „Von Bismarck zu Hitler“ - beschäftigt, damit ich meine Zusatzkurs-Geschichtskenntnisse auf einen halbwegs annehmbaren Stand bringen kann...

Meine Sprachtests sind eigentlich alle ganz gut verlaufen, als erstes wurden wir in Englisch getestet. Da sind uns echt allen die Flicken aus der Hose gefallen, mein Gott, der Test war echt hart! Wir hatten einen Text aus der Financal Times über „Schlimmbesserungen“ im Kampf gegen den Klimawandel. Ich habe den Text gesehen und auch, dass da verschiedene Worte unterstrichen waren und konnte mir gleich denken was das heißt: 1. Suchen Sie Synonyme für die unterstrichenen Vokabeln und formulieren Sie die Sätze neu. Uff! Was um Himmels Willen heißt „dog“?? Ja, Hund, danke, so weit war ich auch, aber „TO dog“, als Verb? Dass „offset“ 'ne Sportwette ist, wusste ich auch vorher, aber die deutsche Übersetzung dieses Wortes als Verb?? Uff...naja, wenn man den Kontext dabei hatte und den Text (nach immerhin 3-4-maligem Durchlesen) halbwegs verstanden hatte, dann ging diese Aufgabe. Ansonsten sollten wir den Text noch in 5 Zeilen zusammenfassen und einen Essay über ein aktuelles Ereignis in der englischsprachigen Welt schreiben. Ich kann es nur wiederhoeln: UFFF! Dieser Test war wirklich hart. Aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Franzosen größere Probleme hatten als wir Deutschen :-).
Aber, ihr könnt es euch vorstellen, ich hatte dafür einen riesigen Schiss vor dem entsprechenden Französischtest. Wenn Englisch schon so schwer war, was würde da erst in Französisch auf auf mich zukommen?? Da muss ich sagen, dieser Test war doch sehr human. Er hat mich sehr stark an meine ganzen DELF und DALF Prüfungen erinnert, die ich gemacht habe. Die Texte waren relativ leicht zu verstehen und (Gott-sei-Dank) mussten wir keine Vokabeln mehr erklären.
Basierend auf diesen Tests werden wir jetzt in Sprachniveaus eingeteilt, irgendwas zwischen 0 (blutiger Anfänger) und 5 (Muttersprachler). Dann kriegen wir extra Sprachunterricht unseren Niveaus entsprechend – demnach also in kleinen Kursen.
Ich bin mal gespannt, in welchem Niveau ich lande, denn um eine 4. Sprache (in meinem Fall Spanisch) anfangen zu können, muss ich mindestens die Niveaus 3 und 4 erreichen – oh là là! Mal sehen...
Am einfachsten fand ich übrigens den Spanischtest: ich konnte die erste Frage problemlos beantworten (Name?) und war sehr schnell fertig: Ich habe „grande débutante“ auf meinen Zettel geschrieben und bin wieder gegangen. :-D

Im Moment habe ich noch sehr viel Freizeit, wir haben maximal 4 Stunden „Vorlesungen“ am Tag, und alle sind vor allem darauf ausgelegt, dass wir das System (Einschreibungen, Technik...) von Sciences Po kennen lernen.
Die Zweitsemestler organisieren für uns sehr viele fakultative Freizeitbeschäftigungen: Am zweiten Abend hatten wir „Speeddating“, das war wirklich lustig. Es funktionierte nach dem Prinzip normalen „Speeddating“-Prinzip, nur dass es zum Ziel hatte, dass wir möglichst viele neue Leute aus unserem Jahrgang kennen lernten.
Letzten Dienstag waren wir in Straßburg und haben dort den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte besucht. Das war sehr interessant. Hinterher bin ich noch mit ein paar anderen Mädels zum europäischen Parlament gegangen, wo wir uns einen netten Securitymann geschnappt haben, der uns zwar keine Führung durch das Parlament geben konnte, uns aber lauter Infomaterial besorgt hat, so dass ich mein Zimmer jetzt mit einem sehr schönen Plakat vom Europäischen Parlament verschönern konnte.

Insgesamt wird mein Zimmer so langsam wirklich richtig gemütlich. Ich habe mir noch verschieden Lampen gekauft, so dass ich selbst abends nicht dieses hässliche Neonlicht ertragen muss, und auch sonst fange ich an, mich hier richtig wohl zu fühlen.
Zwischendurch hatte ich schon einige Tiefphasen, wo ich nichts lieber wollte, als wieder nach Köln zu fahren und irgendwas mit euch zu unternehmen, aber so langsam lebe ich mich ein. Es ist lustig, wie ihr fast alle geschlossen von meiner neuen (Wahl-)Heimat gesprochen habt. So habe ich das nämlich noch gar nicht gesehen und ich tue mir auch sehr schwer, es so zu sehen. Ich habe so langsam stark den Eindruck, dass ich zu einer Französin mutiere: Ich habe endlich mein französisches Konto, bin stolze Besitzerin meiner französischen Kreditkarte, habe endlich einen französisches Handy. Nur mit dem fließend Französisch sprechen hapert es noch etwas...Aber ich fühle mich nach wie vor als Kölnerin (ach ja, das ist übrigens sehr lustig: wenn man die Deutschen an meiner Uni fragt, wo sie herkommen kriegt man meistens entweder Berlin oder Köln als Antwort). Hier in Frankreich fehlt mir auf jeden Fall ein ordentliches Bier (letztens musste ich schon Heinken trinken...) und dann gibt es noch eine Unverschämtheit sondergleichen: Die Prüfungen am Semsterende liegen GENAU ÜBER KARNEVAL!!! Das heißt, ich kann über Karneval nicht nach Hause, ich kann nicht feiern, ich kann nich im Zoch mitgehen...ohoh, ich kriege so langsam mal wieder gaaanz starkes Heimweh. :-( Ich hab mit einigen Kölnern schon ernsthaft überlegt, eine Meuterei anzufangen oder zumindest mit Pappnase zu den Prüfungen zu erscheinen.
Ansonsten habe ich mit Überraschung festgestellt, dass der 11.11. in Frankreich ein Feiertag ist (Hoffnung keimte in mir auf!!) und dann muss ich tatsächlich feststellen: der 11.11.2007 ist ein SONNTAG. Hmpf. Irgendwie scheint mir mein Studium Karneval nicht zu gönnen.

Soweit ein erster grober Überblick über mein neues Leben als Studentin. Herzlichen Glückwunsch an diejenigen, die es tatsächlich geschafft haben, sich bis ganz ans Ende meines Textes durchzuschlagen und vorher nicht verhungert oder verdurstet sind ;-).

Beim nächsten Mal werde ich euch hoffentlich mehr über mein neues Studium in Politikwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Jura und Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch, das am 3.10. anfängt, erzählen können. (Das war jetzt eine weniger elegant eingebrachte Antwort auf eure Frage, was ich denn jetzt genau hier studieren werde...aber ihren Nutzen hat sie ja hoffentlich erfüllt ;-) )

Grüßt mir meine „alte Heimat“ schön – und nicht vergessen, ich bin ganz neugierig, was dort so vor sich geht! :-)

So, und am Ende noch ein paar Bilder meines Ausflugs nach Straßburg:

Ich im Innenhof des Europäischen Parlamentes:

Und mein ganzer Jahrgang vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte:


23.9.07 13:03


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