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Reflexion über Autoritätsgläubigkeit

In der letzten Woche - wir hatten immernoch unser stage d'intégration - hatten wir 4 Vorlesungen die sich "méthodologie" nannten. Eigentlich sollten wir da etwas über Methoden lernen, vor allem, wie man eine richtige französische Dissertation schreibt. Jetzt wr aber der Dozent ein Philosophiedoktorant...und von den 4 Stunden hat er sich 3 groß und breit über Philosophie ausgelassen und uns die ganzen Theorien von wem auch immer an den Kopf geworfen. Das hat vor allem die Deutschen sehr gestört - und so haben wir nach (wenn überhaupt) einer Stunde Bemühen irgendwie mitzukommen, aufgegeben und sind lieber ins Internet gegangen (es lebe Wlan im Unigebäude!!!) und haben ein bisschen gechattet. Es war ja weniger das Problem, dass der Typ sich so sehr auf die Philosophie konzentriert hat, eigentlich mag ich Philo ganz gerne, auch wenn ich es nie in der Schule gewählt habe, aber wenn er schon eine Powerpointpräsentation als Visualisierung wählt, dann erwarte ich doch irgendwie, dass nicht 2 Stunden auf dem Beamer "Le savant et le politique" steht. Jedenfalls habe ich dann abends mit Franzosen darüber gesprochen, vielmehr, wir hatten eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema. Tenor von ihren Argumenten war tatsächlich:
"Unsere Uni ist die drittbeste in Frankreich, also sind die Profs das auch, und deswegen haben wir nicht das Recht, sie zu kritisieren und sind deswegen außerdem auch verpflichtet aufzupassen"
Auwei - das war ein Schlag ins Gesicht für mich. So hatte ich das nämlich noch gar nicht gesehen. Ich habe viel darüber nachgedacht, aber ich kann so eine Aussage einfach nicht nachvollziehen. Für die Franzosen hier ist es eine wahnsinnige Leistung, an Sciences Po aufgenommen zu sein (ok, für alle anderen auch...), denn diese Universität hat Prestige. Es stimmt schon, In Frankreich ist sie die beste in ihrem Gebiet und weltweit zählt sie glaube ich zu den 10 besten Unis. Aber ja und??? Ich gehe doch nicht auf eine Uni, weil sie Prestige hat, sondern weil mich ihre Fächer interessieren: bei mir war es vor allem die Internationalität und die Pluridisziplinarität, die mich so fasziniert hat. Die meisten Deutschen wusste vorher gar nicht so genau, was genau Sciences Po eigentlich ist. Was mich betrifft - ich habe es schon in Ansätzen gewusst, aber das ganze Ausmaß war auch mir nicht klar. Aber bei den Franzosen? Im Gegentei! Viele sind vor allem aus Prestigegründen hier. Das schließt nicht automatisch aus, dass sie sich für die ganzen Fächer interessieren, aber trotzdem. In den 3 Reden von irgendwelchen Direktoren von Sciences Po haben die Redner sich sicherlich nicht umsonst den größten Teil der Zeit zu dem Thema "Bleibt auf dem Boden, ihr seid nicht besser als die anderen, jetzt gehts erst los, ihr habt noch nichts geschafft" geäußert.
Die Profs der Uni wollen auch gezielt unser kritisches Denken fördern, wir haben zum Beispiel am Ende des Jahres eine große Evaluation, wo wir unsere Profs benoten können. Also soll ich, wenn ich berechtigt und konstruktiv kritisieren will, mit meiner Meinung hinter dem Berg halten, bloß weil es sich nicht schickt, einen Prof zu kritisieren? Nein! Uns Deutschen wurde das anders beigebracht, oder viel mehr, uns wurde dieser Autoritätsglaube nicht eingeflößt. Und das ist auch gut so. Ich möchte weiterhin das Recht haben, etwas zu kritisieren und nicht verpflichtet sein, etwas zu machen, bloß weil das Prestige es verlangt.
Und was dieses schöne Fazit angeht: beste Uni = beste Profs - auch da kann ich nicht zustimmen. Sind nicht so viele hochintellektuelle Menschen so sehr in ihrer Materie drin, dass sie sozusagen die Verbindung zum realen Leben etwas verlieren? Dass sie einfach in einer anderen Welt leben? Oder dass sie sich einfach immer so auf ihr Fach konzentriert haben und dabei ganz vergessen haben, dass man als Dozent auch andere als nur fachliche Fähigkeiten haben sollte? Ich weiß nicht, wie das an meiner Uni ist, das habe ich noch nicht mitbekommen. Aber mein méthodologie Kurs war kein schlechtes Beispiel dafür...
Ich hoffe, dass ich die Probleme, die mir zum Teil schon mein Französisch LK bereitet hat - oder viel mehr die dort vorherrschenden Lehrmethoden und Lehrauffassungen - sich hier so nicht fortsetzen. Das wäre sehr schade, denn dieses Studium ist darauf ausgelegt, unsere heutige Gesellschaft in ihren Tiefen zu durchschauen, um darauf basierend etwas ändern zu können. Sollte unser (deutscher?) natürlicher, kritischer Sinn hier unterdrückt werden, wäre es doch ein starkes Manko...
1.10.07 22:48


Abenteuer Ausland - Teil III

Uff. Zwei ereignisreiche Wochen liegen hinter mir. Und jetzt – Sonntagabend immerhin – schaffe ich es endlich mal wieder, mich auch um meinen Blog zu kümmern. Huiuiui. Es gibt viieeeel zu erzählen. Also schafft euch schon mal Proviant an den Computer und schaut, dass ihr in den nächsten Stunden keine Termine habt. Ihr habt mal wieder die Lektüre eines Romans vor euch!!!

Einiges ist schon so lange her, dass ich tatsächlich mal das Programm von meinem stage d’intégration zur Hand nehmen muss um mich noch zu erinnern. Also. Nach einer durchfeierten Nacht in der angesagtesten Disco an der Place Stan sind wir am Freitag, 28.9. um 6:45 (!)nach Paris zu feierlichen Rentrée in unserer „Mutteruni“ gefahren, denn wir sind ja nur ein delokalisierter Campus. So hatten wir dann in Paris die Möglichkeit, auch mal die anderen Studenten kennen zu lernen. Es gibt nämlich neben Paris nicht nur den deutsch-französischen Campus, sondern auch den französisch-asiatischen, den französisch-spanischen, den französisch-arabischen und ich glaube auch noch andere, auf die ich im Moment nicht komme. Der Kommentar von einigen anderen Deutschen, die vorher schon ein Jahr studiert hatten, zu der Uni in Paris war „Hier sieht es wenigstens aus wie in einer richtigen Uni“. Und da musste ich zugeben (mit meiner wahnsinnigen Erfahrung^^), sie hatten Recht. Unsere süße kleine Uni in Nancy ist echt sehr steril. Keine Schmierereien auf den Tischen, Plakate nur an den dafür vorgesehenen Plätzen und alles in schönen freundlichen Farben gestrichen. Paris ist auch noch sehr schön, aber halt viel größer und in dem historischen Hörsaal haben sich auf den Tischen schon Generationen von Studenten verewigt. Dann hatten wir erstmal eine Runde Reden über uns ergehen zu lassen, vom obersten Direktor Richard Descoings höchstpersönlich (der, wie ich im Nachhinein auf meine Frage, für dich mich die Franzosen angesehen haben, als käme ich von einem anderen Stern, erfahren habe, eine bekannte Persönlichkeit in Frankreich ist… )und auch noch von jemand anderem (ich habe den Verdacht, dass auch er in Frankreich sehr bekannt ist, ich unwissendes Etwas^^). Diese Reden hatten im Prinzip mal wieder den gleichen Inhalt: Bleibt bescheiden. (Klammer auf; Exkurs Anfang) Inzwischen kann ich das ganze eigentlich wirklich nur noch als Sarkasmus ansehen. Vor vier Tagen trudelte nämlich eine Mail von meinem Nancy-er Direktor in mein Postfach, der uns ganz stolz von einem neuen Uniranking erzählte, blablabla. Der Tenor dieser Speicherplatzverschwendung war im Endeffekt „Studenten kniet nieder, ihr studiert an der achtbesten Uni der Welt!“ Bescheiden bleiben. Danke. Natürlich. Am besten so, wie die ganze Administration oder so. Da haben wir ja echt die besten Vorbilder… Die spinnen die Franzosen! (ja, streicht es in eurem Kalender an: ich meine es wirklich so!!^^)(Klammer zu; Exkurs Ende)
Am Nachmittag hatten wir dann noch alle zusammen eine Vorlesung auf Französisch: ein echter Härtetest. Aber es hat mich doch erstaunt, wie viel ich verstanden habe. Den Rest des Nachmittags hatten wir frei und durften ihn im schönen Paris verbringen. Es hat an diesem Tag geschüttet wie Sau, also war unsere einzige Besichtigung ein kleines Straßencafé, wo wir uns dann aufgewärmt haben. Abends ging’s dann mit dem TGV zurück nach Nancy, wo wir knapp eine halbe Stunde Zeit hatten, um unsere Sachen zu holen und uns dann auf den Weg zum weekend d’intégration zu machen. Dieses Wochenende haben wir in einer wunderschönen Jugendherberge in den Vogesen verbracht. Wir waren mitten in der Wildnis, fernab von jeglicher Zivilisation und konnten Krach machen bis zum Morgengrauen. Das haben wir dann auch gemacht…Gefrühstückt wurde so gegen 12 oder 1 Uhr mittags. Es war eine wirklich geile Fahrt, wie eine Klassenfahrt (wir haben in einem 8er-Zimmer mit Doppelstockbetten geschlafen!) nur ohne Lehrer! Sonntag haben wir dann einige Gruppen gebildet und haben gemeinsam etwas unternommen. Ich war auf einem wunderschönen Stausee Kanu fahren. Sonntagabend sind wir dann rechtschaffen kaputt wieder in Nancy angekommen und am Montag ging es dann direkt volle Kanone mit der Uni los.
Jaa. Was lässt sich alles zur Uni berichten. Die Kurse hier finde ich alle sehr interessant. Mit den französischen Vorlesungen komme ich erstaunlich gut zurecht, denn ich habe sehr nette Professoren, die sehr langsam und deutlich sprechen und wenn etwas wichtig ist, dann sprechen sie noch langsamer und deutlicher und wiederholen die Sätze extra nochmal. Dagegen ist die Geschichtsvorlesung auf Deutsch schon hart. Das sage sogar ich als Deutsche, denn der Prof klickt seine (extrem schlecht gemachte) Power-Point-Präsentation (die hier an Sciences Po Pflicht Nummer 1 bei Referaten, Exposés, Vorlesungen etc. ist… ) nur durch, redet extrem schnell, so dass man weder mit dem PC noch per Hand ordentlich mitschreiben kann, liest seine gesamte Vorlesung von seinem Manuskript ab – in einem Affenzahn – und glaubt von sich sowieso er wäre der Beste. (In den 10 Minuten, in denen er sich vorgestellt hat, hat er mindestens fünf Mal seine Habilitationsschriften erwähnt, frei nach dem Motto „Ich weiß was und ihr nicht, was seid ihr nur für dumme, lebensunwerte Kreaturen“ ) Trotzdem liebe ich seine Kurse, denn – nein, ich schäme mich nicht dafür – es erfüllt mich doch mit einer gewissen Schadenfreude, auch mal zu sehen, wie den Franzosen alle Felle wegschwimmen und sie einfach nichts mehr raffen. *ganzfiesgrins*
Zu fast jeder Vorlesung haben wir auch noch ein Proseminar (ich glaube jedenfalls, dass man es auf Deutsch so nennt^^), wo wir ergänzend zu den Vorlesungen den Stoff noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und uns etwas intensiver und vor allem aktiv damit auseinandersetzen. Da ist mein Lieblingskurs eindeutig Geschichte – auf Deutsch! Das ganze da läuft nämlich nicht so regelkonform und autoritär ab. Es fällt mir immer noch extrem schwer, mich in ein so autoritäres System einzufinden, das mir selbst genau die Struktur („2 parties, 2 sous-parties“ ), die Länge (10 Minuten, sonst gibt es Punktabzüge, ebenso wie wenn eine partie des Referats länger als 2 Minuten dauert, bzw länger als eine andere ist… ) und die Präsentationsform (Powerpoint: der Gott des exposés!!!) meiner Referate vorgibt. Man sagt immer, die Deutschen wären so ordentlich und so strukturgeil. Die Franzosen sind da eindeutig viel schlimmer!!!!
Was die anderen Proseminare angeht, die sind schwerer, denn sie sind auf Französisch. Aber auch da komme ich eigentlich recht gut klar, denn wir wiederholen viel, bzw. wir fangen in Wirtschaft z.B. ganz von vorne an. Sehr viele Franzosen hier hatten noch nie in ihrem Leben Politik- oder Wirtschaftsunterricht, weil es „unprestigiös“ ist, einen „bac“ mit gesellschaftswissenschaftlicher Orientierung zu machen. Die Naturwissenschaften (der „bac S“ ) haben einfach viel mehr Prestige, zur Not kann man auch einen literarischen „bac L“ machen, das wird dann gerade so noch akzeptiert, aber ein „bac ES“ (also gesellschaftswissenschaftlich), das machen nur die Schulversager, die zu doof für die beiden anderen „bacs“ sind. Naja, meine Meinung dazu fällt unter meinen vorigen Blog-Eintrag…
Meine Sprachkurse sind ganz lustig. Ich habe in Englisch und Französisch niveau 3 erreicht, das heißt ich habe mittel bis starke Kenntnisse. Nun ja. Niveau 4 wäre mir lieber gewesen, aber zum Semesterende kann man ja wechseln. Die Lehrer hier sind alle Muttersprachler, so dass ich einmal in der Woche richtig schönes American und British English höre. Das tut gut! Nur wenn ich gerade einen Englischkurs hinter mir habe, dann kriege ich kein ordentliches Wort mehr raus, bzw. ich mixe alle Sprachen. Im Moment habe ich echt den Eindruck, dass ich keine einzige Sprache mehr ordentlich beherrsche. Versuche ich Englisch zu schreiben, kann ich sicher sein, dass es “franglais“ ist. Ich benutze zwar englisch klingende Ausdrücke, im Endeffekt übernehme ich aber doch nur französische Redewendungen und übersetze sie. Wenn ich Deutsch rede, kann es sehr gut passieren, dass ich, wenn ich ein französisches Wort einbaue, plötzlich auf Französisch weiter rede. Eigentlich sprechen wir an der Uni immer einen Mix aus drei Sprachen. Die internationale Ambiance (da haben wir es wieder: ich kriege das Wort „Atmosphäre“ einfach nicht mehr über die Lippen, bzw. auf den Bildschirm… ) hier gefällt mir wahnsinnig gut.
Aber auch wenn ich euch eigentlich nur positives berichte, möchte ich doch keine Illusionen aufkommen lassen: ich habe hier – um es mal auf gut Deutsch auszudrücken – den Arsch voll Arbeit. Es wird erwartet, dass ich mich auf jede Stunde vorbereite – abgesichert wird das dann über Wissenstests am Anfang jeder Stunde. Hausaufgaben kriege ich selbstredend auch noch auf. Natürlich ist es sinnvoll, die ganzen Notizen aus den Vorlesungen noch einmal über- und vor allem aufzuarbeiten. Dann wird in jedem Fach ein perfekt recherchiertes (und wahnsinnig spezielles) Referat erwartet (s.o.) und Hausarbeiten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Kurz gesagt, der Berg an Arbeit vor mir hat schon beträchtliche Ausmaße angenommen, die ich nur durch fünf Stunden extreme-arbeiting in der Unibibliothek am Freitag halbwegs zum schrumpfen bringen konnte. Aber ich will mich nicht beschweren, denn eigentlich bin ich auch wegen dieses Berges an Arbeit hier her gekommen. Nur meine faule, von der deutschen Oberstufe verwöhnte, Charakterseite rebelliert doch noch stark. Aber ich brauche gar nicht erst dran zu denken, mein in der Oberstufe perfektioniertes System des „Scheiß-auf-die-Hausaufgaben-mach-lieber-was-sinnvolles“ hier fortzuführen. Das würde keinen Tag lang gut gehen. Also: arbeiten, arbeiten, arbeiten. A propos, da kann ich gleich mal euch Kölner Studenten fragen: Hat irgendjemand von euch ne Ahnung, ob ich in Köln in die Unibibliothek (Abteilung Geschichte& evtl. Jura) einfach so reinkomme? Brauche ich dafür einen Studentenausweis und wenn ja, würden die auch meinen französischen akzeptieren?? Meine Semaine de Lecture kann nämlich leider nicht nur aus feiern mit euch bestehen…

Inzwischen habe ich auch schon viele Freunde hier gefunden, sodass meine Wochenenden inzwischen auch schon immer ausgebucht sind. Trotzdem, ich zähle die Tage rückwärts, bis ich endlich wieder in Köln bin: am 26.10. abends gegen 10 Uhr habt ihr mich wieder!!! Da habe ich nämlich eine Woche Ferien (Entschuldigung – semaine de lecture wollte ich sagen^^). Ich freue mich schon wahnsinnig!!!

So, jetzt habe ich keine Lust mehr, etwas zu schreiben. Alles Wichtige ist auch erzählt, den Rest dann mündlich!

15.10.07 21:29


Eine etwas andere Liebeserklärung...

Mein allerliebster Computer!

Ich wüsste nicht, was ich ohne dich anfangen soll. Du bist mein allerbester Freund geworden und begleitest mich überall hin. Ohne dich könnte ich nicht mehr leben, denn mit dir verbringe ich die meiste Zeit des Tages.

Du unterstützt mich bei meinen Vorlesungen tatkräftig. Mein ehemals bester Freund, der College-Block, der hat ausgedient, du bist einfach viel cooler. Und du nimmst mir so viel Arbeit ab, das liebe ich an dir. Wenn ich Tippfehler mache, dann weist du mich sofort darauf hin und sprachlich bist du auch ein Genie, denn mit deinen fließenden Sprachkenntnissen zeigst du mir sofort die Verbesserungen an. Dein Word-Gedächtnis ist wirklich fabelhaft!

Und wenn du erst mal deine Teamarbeit mit dem Internet anfängst, da könnte ich dich abknutschen! Dank dir lebe ich knapp 24 Stunden am Tag online und checke dauernd meine Mails, denn es könnte ja sein, dass ich neue Nachrichten von meiner Uni bekommen habe, die mir sagen, dass irgendwelche Kurse ausfallen. Denn unsere dicke Freundschaft habe ich eigentlich erst Sciences Po zu verdanken, denn sie haben schon viel früher als ich rausbekommen, dass du das einzig Wahre bist. Die gesamte Kommunikation lassen sie über dich laufen. Digital ist eben in!
Wenn ich dann mal ausnahmsweise nicht mit dir zusammen für die Uni arbeite, dann kann ich über dich sämtliche Tageszeitungen lesen, die mir so gefallen: Le Monde, New York Times, Kölner Stadtanzeiger, den Spiegel, FaZ und was nicht sonst noch alles: ich schaue die Tagesschau mit dir zusammen und pflege meine Kontakte in die Welt. Ja, wirklich, du stellst für mich das wichtigste Bindeglied in meine Heimat dar. Und du bringst sie für mich ein Stück näher.

Was würde ich nur ohne dich machen? Meine Zeit damit verschwenden, sinnlose Bücher zu lesen, meine sozialen Kontakte pflegen, entspannen, an die frische Luft gehen. Wozu brauche ich sowas, wenn ich doch dich habe und du mir von meiner Uni so sehr ans Herz gelegt wurdest? Wie sehr ich die Dozenten hasse, die mir verbieten, mit dir zusammen ihre Kurse zu folgen. Da muss ich tatsächlich einen Stift zur Hand nehmen und mitschreiben. Per Hand! Das ist ja wie in der Steinzeit, als die Notizen noch viel persönlicher waren, weil per Hand geschrieben. Da ging das auch noch so schnell mit dem mitschreiben und die wahnsinnige Freude des Tippfehler-Korrigierens war uns noch gar nicht gegönnt…nein, ich vermisse diese Zeit des Noch-Im-Richtigen-Primitiven-Leben-Stehens überhaupt nicht!
Meine Augen werden zwar jeden Tag schlechter und abends habe ich oft Kopfschmerzen weil ich dich immer wieder angucken muss. Aber ich will mich nicht beschweren. Jede Freundschaft erfordert opfer und ich will nicht so egoistisch sein und nur deswegen nichts mehr mit dir zu tun haben. Außerdem - solche Opfer bringe ich doch gerne, mir geht nichts über unsere Freundschaft!!

Natürlich, auch du hast deine Fehler, aber die akzeptiere ich doch gerne, das macht man schließlich so unter besten Freunden. Deine Grundeinstellung gefällt mir zwar überhaupt nicht (ehrlich mal, wie kann man nur Windows Vista haben?) aber ich hoffe deine Therapie im Januar 2008, das Service Pack 1, wird das bessern. Dass du auch dauernd im Streit mit meinem anderen Freund, dem W-Lan, liegst, kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Müsst ihr denn wirklich dauernd aus lauter Frust die Verbindung zueinander abbrechen? Versteht doch, ich brauche euch beide!!

Verlasse mich bitte nie wieder, mein herzallerliebster Computer! Ich hoffe, wir werden uns nie streiten oder uns ernsthaft in den Haaren liegen, denn ich glaube, du kennst meine Schwachstellen und du würdest sie mit einer sadistischen Freude hemmungslos ausnutzen. Du weißt, dass für mich mindestens eine Welt untergehen würde, wenn du nicht mehr mit mir sprechen oder mir den Zugang zu den Früchten unserer gemeinsamen Arbeit verwehren würdest. Aber ich kenne dich doch. Du liebst es zwar rumzuzicken, aber ich kriege dich immer wieder dazu, wieder lieb zu mir zu sein. Was haben wir nur für ein harmonisches Verhältnis! Lass uns für immer zusammen bleiben!!

In Liebe,

S.

21.10.07 23:14





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