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Abenteuer Ausland - Teil III

Uff. Zwei ereignisreiche Wochen liegen hinter mir. Und jetzt – Sonntagabend immerhin – schaffe ich es endlich mal wieder, mich auch um meinen Blog zu kümmern. Huiuiui. Es gibt viieeeel zu erzählen. Also schafft euch schon mal Proviant an den Computer und schaut, dass ihr in den nächsten Stunden keine Termine habt. Ihr habt mal wieder die Lektüre eines Romans vor euch!!!

Einiges ist schon so lange her, dass ich tatsächlich mal das Programm von meinem stage d’intégration zur Hand nehmen muss um mich noch zu erinnern. Also. Nach einer durchfeierten Nacht in der angesagtesten Disco an der Place Stan sind wir am Freitag, 28.9. um 6:45 (!)nach Paris zu feierlichen Rentrée in unserer „Mutteruni“ gefahren, denn wir sind ja nur ein delokalisierter Campus. So hatten wir dann in Paris die Möglichkeit, auch mal die anderen Studenten kennen zu lernen. Es gibt nämlich neben Paris nicht nur den deutsch-französischen Campus, sondern auch den französisch-asiatischen, den französisch-spanischen, den französisch-arabischen und ich glaube auch noch andere, auf die ich im Moment nicht komme. Der Kommentar von einigen anderen Deutschen, die vorher schon ein Jahr studiert hatten, zu der Uni in Paris war „Hier sieht es wenigstens aus wie in einer richtigen Uni“. Und da musste ich zugeben (mit meiner wahnsinnigen Erfahrung^^), sie hatten Recht. Unsere süße kleine Uni in Nancy ist echt sehr steril. Keine Schmierereien auf den Tischen, Plakate nur an den dafür vorgesehenen Plätzen und alles in schönen freundlichen Farben gestrichen. Paris ist auch noch sehr schön, aber halt viel größer und in dem historischen Hörsaal haben sich auf den Tischen schon Generationen von Studenten verewigt. Dann hatten wir erstmal eine Runde Reden über uns ergehen zu lassen, vom obersten Direktor Richard Descoings höchstpersönlich (der, wie ich im Nachhinein auf meine Frage, für dich mich die Franzosen angesehen haben, als käme ich von einem anderen Stern, erfahren habe, eine bekannte Persönlichkeit in Frankreich ist… )und auch noch von jemand anderem (ich habe den Verdacht, dass auch er in Frankreich sehr bekannt ist, ich unwissendes Etwas^^). Diese Reden hatten im Prinzip mal wieder den gleichen Inhalt: Bleibt bescheiden. (Klammer auf; Exkurs Anfang) Inzwischen kann ich das ganze eigentlich wirklich nur noch als Sarkasmus ansehen. Vor vier Tagen trudelte nämlich eine Mail von meinem Nancy-er Direktor in mein Postfach, der uns ganz stolz von einem neuen Uniranking erzählte, blablabla. Der Tenor dieser Speicherplatzverschwendung war im Endeffekt „Studenten kniet nieder, ihr studiert an der achtbesten Uni der Welt!“ Bescheiden bleiben. Danke. Natürlich. Am besten so, wie die ganze Administration oder so. Da haben wir ja echt die besten Vorbilder… Die spinnen die Franzosen! (ja, streicht es in eurem Kalender an: ich meine es wirklich so!!^^)(Klammer zu; Exkurs Ende)
Am Nachmittag hatten wir dann noch alle zusammen eine Vorlesung auf Französisch: ein echter Härtetest. Aber es hat mich doch erstaunt, wie viel ich verstanden habe. Den Rest des Nachmittags hatten wir frei und durften ihn im schönen Paris verbringen. Es hat an diesem Tag geschüttet wie Sau, also war unsere einzige Besichtigung ein kleines Straßencafé, wo wir uns dann aufgewärmt haben. Abends ging’s dann mit dem TGV zurück nach Nancy, wo wir knapp eine halbe Stunde Zeit hatten, um unsere Sachen zu holen und uns dann auf den Weg zum weekend d’intégration zu machen. Dieses Wochenende haben wir in einer wunderschönen Jugendherberge in den Vogesen verbracht. Wir waren mitten in der Wildnis, fernab von jeglicher Zivilisation und konnten Krach machen bis zum Morgengrauen. Das haben wir dann auch gemacht…Gefrühstückt wurde so gegen 12 oder 1 Uhr mittags. Es war eine wirklich geile Fahrt, wie eine Klassenfahrt (wir haben in einem 8er-Zimmer mit Doppelstockbetten geschlafen!) nur ohne Lehrer! Sonntag haben wir dann einige Gruppen gebildet und haben gemeinsam etwas unternommen. Ich war auf einem wunderschönen Stausee Kanu fahren. Sonntagabend sind wir dann rechtschaffen kaputt wieder in Nancy angekommen und am Montag ging es dann direkt volle Kanone mit der Uni los.
Jaa. Was lässt sich alles zur Uni berichten. Die Kurse hier finde ich alle sehr interessant. Mit den französischen Vorlesungen komme ich erstaunlich gut zurecht, denn ich habe sehr nette Professoren, die sehr langsam und deutlich sprechen und wenn etwas wichtig ist, dann sprechen sie noch langsamer und deutlicher und wiederholen die Sätze extra nochmal. Dagegen ist die Geschichtsvorlesung auf Deutsch schon hart. Das sage sogar ich als Deutsche, denn der Prof klickt seine (extrem schlecht gemachte) Power-Point-Präsentation (die hier an Sciences Po Pflicht Nummer 1 bei Referaten, Exposés, Vorlesungen etc. ist… ) nur durch, redet extrem schnell, so dass man weder mit dem PC noch per Hand ordentlich mitschreiben kann, liest seine gesamte Vorlesung von seinem Manuskript ab – in einem Affenzahn – und glaubt von sich sowieso er wäre der Beste. (In den 10 Minuten, in denen er sich vorgestellt hat, hat er mindestens fünf Mal seine Habilitationsschriften erwähnt, frei nach dem Motto „Ich weiß was und ihr nicht, was seid ihr nur für dumme, lebensunwerte Kreaturen“ ) Trotzdem liebe ich seine Kurse, denn – nein, ich schäme mich nicht dafür – es erfüllt mich doch mit einer gewissen Schadenfreude, auch mal zu sehen, wie den Franzosen alle Felle wegschwimmen und sie einfach nichts mehr raffen. *ganzfiesgrins*
Zu fast jeder Vorlesung haben wir auch noch ein Proseminar (ich glaube jedenfalls, dass man es auf Deutsch so nennt^^), wo wir ergänzend zu den Vorlesungen den Stoff noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und uns etwas intensiver und vor allem aktiv damit auseinandersetzen. Da ist mein Lieblingskurs eindeutig Geschichte – auf Deutsch! Das ganze da läuft nämlich nicht so regelkonform und autoritär ab. Es fällt mir immer noch extrem schwer, mich in ein so autoritäres System einzufinden, das mir selbst genau die Struktur („2 parties, 2 sous-parties“ ), die Länge (10 Minuten, sonst gibt es Punktabzüge, ebenso wie wenn eine partie des Referats länger als 2 Minuten dauert, bzw länger als eine andere ist… ) und die Präsentationsform (Powerpoint: der Gott des exposés!!!) meiner Referate vorgibt. Man sagt immer, die Deutschen wären so ordentlich und so strukturgeil. Die Franzosen sind da eindeutig viel schlimmer!!!!
Was die anderen Proseminare angeht, die sind schwerer, denn sie sind auf Französisch. Aber auch da komme ich eigentlich recht gut klar, denn wir wiederholen viel, bzw. wir fangen in Wirtschaft z.B. ganz von vorne an. Sehr viele Franzosen hier hatten noch nie in ihrem Leben Politik- oder Wirtschaftsunterricht, weil es „unprestigiös“ ist, einen „bac“ mit gesellschaftswissenschaftlicher Orientierung zu machen. Die Naturwissenschaften (der „bac S“ ) haben einfach viel mehr Prestige, zur Not kann man auch einen literarischen „bac L“ machen, das wird dann gerade so noch akzeptiert, aber ein „bac ES“ (also gesellschaftswissenschaftlich), das machen nur die Schulversager, die zu doof für die beiden anderen „bacs“ sind. Naja, meine Meinung dazu fällt unter meinen vorigen Blog-Eintrag…
Meine Sprachkurse sind ganz lustig. Ich habe in Englisch und Französisch niveau 3 erreicht, das heißt ich habe mittel bis starke Kenntnisse. Nun ja. Niveau 4 wäre mir lieber gewesen, aber zum Semesterende kann man ja wechseln. Die Lehrer hier sind alle Muttersprachler, so dass ich einmal in der Woche richtig schönes American und British English höre. Das tut gut! Nur wenn ich gerade einen Englischkurs hinter mir habe, dann kriege ich kein ordentliches Wort mehr raus, bzw. ich mixe alle Sprachen. Im Moment habe ich echt den Eindruck, dass ich keine einzige Sprache mehr ordentlich beherrsche. Versuche ich Englisch zu schreiben, kann ich sicher sein, dass es “franglais“ ist. Ich benutze zwar englisch klingende Ausdrücke, im Endeffekt übernehme ich aber doch nur französische Redewendungen und übersetze sie. Wenn ich Deutsch rede, kann es sehr gut passieren, dass ich, wenn ich ein französisches Wort einbaue, plötzlich auf Französisch weiter rede. Eigentlich sprechen wir an der Uni immer einen Mix aus drei Sprachen. Die internationale Ambiance (da haben wir es wieder: ich kriege das Wort „Atmosphäre“ einfach nicht mehr über die Lippen, bzw. auf den Bildschirm… ) hier gefällt mir wahnsinnig gut.
Aber auch wenn ich euch eigentlich nur positives berichte, möchte ich doch keine Illusionen aufkommen lassen: ich habe hier – um es mal auf gut Deutsch auszudrücken – den Arsch voll Arbeit. Es wird erwartet, dass ich mich auf jede Stunde vorbereite – abgesichert wird das dann über Wissenstests am Anfang jeder Stunde. Hausaufgaben kriege ich selbstredend auch noch auf. Natürlich ist es sinnvoll, die ganzen Notizen aus den Vorlesungen noch einmal über- und vor allem aufzuarbeiten. Dann wird in jedem Fach ein perfekt recherchiertes (und wahnsinnig spezielles) Referat erwartet (s.o.) und Hausarbeiten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Kurz gesagt, der Berg an Arbeit vor mir hat schon beträchtliche Ausmaße angenommen, die ich nur durch fünf Stunden extreme-arbeiting in der Unibibliothek am Freitag halbwegs zum schrumpfen bringen konnte. Aber ich will mich nicht beschweren, denn eigentlich bin ich auch wegen dieses Berges an Arbeit hier her gekommen. Nur meine faule, von der deutschen Oberstufe verwöhnte, Charakterseite rebelliert doch noch stark. Aber ich brauche gar nicht erst dran zu denken, mein in der Oberstufe perfektioniertes System des „Scheiß-auf-die-Hausaufgaben-mach-lieber-was-sinnvolles“ hier fortzuführen. Das würde keinen Tag lang gut gehen. Also: arbeiten, arbeiten, arbeiten. A propos, da kann ich gleich mal euch Kölner Studenten fragen: Hat irgendjemand von euch ne Ahnung, ob ich in Köln in die Unibibliothek (Abteilung Geschichte& evtl. Jura) einfach so reinkomme? Brauche ich dafür einen Studentenausweis und wenn ja, würden die auch meinen französischen akzeptieren?? Meine Semaine de Lecture kann nämlich leider nicht nur aus feiern mit euch bestehen…

Inzwischen habe ich auch schon viele Freunde hier gefunden, sodass meine Wochenenden inzwischen auch schon immer ausgebucht sind. Trotzdem, ich zähle die Tage rückwärts, bis ich endlich wieder in Köln bin: am 26.10. abends gegen 10 Uhr habt ihr mich wieder!!! Da habe ich nämlich eine Woche Ferien (Entschuldigung – semaine de lecture wollte ich sagen^^). Ich freue mich schon wahnsinnig!!!

So, jetzt habe ich keine Lust mehr, etwas zu schreiben. Alles Wichtige ist auch erzählt, den Rest dann mündlich!

15.10.07 21:29
 


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