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Ereignisse

Ein Einblick in andere Welten

„Vous êtes l’élite“ – ein Satz den wir hier fast täglich zu hören bekommen. Ein prestigeträchtiges Studium, das die zukünftige Elite Europas ausbildet. (Nein, das ist nicht meine Meinung sondern O-Ton meiner Professoren!) Und natürlich, wenn man zur zukünftigen Elite ausgebildet wird, dann muss man auch lernen, wie es ist Elite zu sein, als solche behandelt zu werden und sich als solche zu verhalten. Ein Glück, dass es meine Uni gibt, die nimmt so etwas nämlich in die Hand.
Gestern war ein großer Tag, wir wurden von einem unserer Dozenten (praktischerweise ein Oberst) eines Kurses „Die NATO im 21. Jahrhundert“ eingeladen, sein Regiment zu besuchen und so standen wir pünktlich um 9:30 morgens zu 15 Mann vor der Uni und stiegen in den Bus (der natürlich von der Uni gesponsert war). Am Regiment angekommen, wurden wir, nachdem wir von stramm salutierenden Soldaten eingelassen wurden, von einem capitaine mit Handschlag begrüßt und sofort in die sehr repräsentativen Räume des commandement geleitet. Für jeden von uns lag ein Dossier bereit, mit dem Programm des Tages, einigen Informationen zu dem Regiment; schön gebunden, kann man als Elite ja erwarten...
Wir nahmen unsere Plätze ein (alleine wegen dieser höchst komfortablen Sitze würde es sich schon lohnen, zum Militär zu gehen) und hatten dann erst einmal Zeit den Raum, in dem wir waren näher zu betrachten. Konferenztisch, in einem anderen Teil des Raumes die Stuhlreihen, wie wir saßen, überall Bilder des Regiments und seiner Einsätze. Dezente, aber halbwegs geschmackvolle Einrichtung.
Nach der Begrüßung durch unseren Oberst (in gaaanz toller Uniform...) und einem Vortrag über sein Regiment (was ist es, wozu dient es, Zahlen und Fakten, etc.) gingen wir dann zum nächsten Programmpunkt über, der „démonstration stratégique et dynamique“. Auf dem großen Platz vor dem Hauptgebäude wurden uns sämtliche Fahrzeuge des Transportregiments vorgeführt, erklärt und im Anschluss durften wir selbst sie natürlich auch noch aus der Nähe besichtigen. Zwischendurch hatten wir noch einen Pressetermin, mit höchst repräsentativen Fotos und den passenden Interviews. Die Fahrzeuge waren alle sehr interessant (bis zu 700 PS!) und es war sehr nett sich von den Soldaten alles erklären zu lassen und sich auch einmal in diese riesigen Kolosse hineinzusetzen.
Perfekt nach dem Zeitplan kam es dann um 11.45 Uhr zu einer Table ronde, wo wir eine halbe Stunde Zeit hatten, uns mit den Soldaten zu unterhalten und „festzustellen, dass sie gar nicht so anders sind als wir“. (Die Tatsache, dass diese Aussage im selben Satz wie „ihr seid die Elite“ genannt wurde, lässt allerdings etwas anderes vermuten...) Es war ein sehr angeregtes Gespräch und uns wurde ein beeindruckender Einblick in das Leben eines Soldaten geboten. (Was eine dolle Formulierung!) Am besten ist mir doch in Erinnerung geblieben, wie diese Menschen zu Politik stehen. Sie interessiert sie nämlich gar nicht, bzw. was ich damit sagen will ist, dass sie sich keine Meinung zu bilden haben, da sie, egal was die Politiker verlangen, im Dienste des Vaterlandes bis zum Äußersten gehen und ihre Pflicht erfüllen. Eine beeindruckende Disziplin.
Im Anschluss an diese Gesprächsrunde gab es dann den Apéritif (Kir Royal!) an dem wir uns weiter mit den Soldaten unterhalten konnten, auf den ausdrücklichen Wunsch des Oberst. ☺ Man ging gemeinsam in den Speisesaal wo uns das Essen gereicht wurde. In Astérix Légionnaire heißt es „Je schlechter das Essen, desto besser die Armee – ich wusste nicht, dass die römische Armee so gut ist!“ ICH wusste nicht, dass dieses Regiment – geht man einmal diesem Grundsatz aus - so schlecht ist. Das Essen war super, es gab Wein und mal wieder ein typisch französisches „Wir-stopfen-die-Weihnachtsgans“-Essen.
Interessant war, was uns die Soldaten und auch Soldatinnen (bevor mir hier von einem gewissen SanOA der Kopf abgerissen wird...) über den Speisesaal erzählt haben. Er hat zwei Stockwerke, im unteren essen die „normalen Soldaten“, zu trinken gibt es Wasser und Soft Drinks. Will man zum Essen auch Wein trinken – seine Mahlzeiten also etwas stilvoller gestalten – muss man schon mindestens den Offiziersrang erklommen haben. Auf diese Weise wurden bei uns die Soldaten, die extra für uns Wochenenddienst leisten mussten, etwas entschädigt. Wie sie uns erzählten: Wir sind 24/24 Stunden Soldaten und wenn wir über Weihnachten zu einer Mission müssen, dann ist es eben so. Es ist unsere Pflicht.
Im Anschluss, nachdem wir während des Mittagessens weiter gequatscht und uns noch mehr mit der Soldatenwelt vertraut gemacht hatten, ging es in die „lounge“, zum Kaffeetrinken. Die Einrichtung war der Wahnsinn, man würde nicht darauf kommen, dass man in einem Regiment war, es war hell, freundlich und gemütlich. Der Kellner, der uns schon beim Apéritif „bedient“ hatte, kümmerte sich auch hier um uns und wir hatten die Möglichkeit, unsere Gegenüber darüber aufzuklären, dass wir auch nur ganz normale Studenten sind und keine Diplomatenkinder, die durch die Eltern getrieben und durch verschiedene Verbindungen in eine Eliteuni eingeschleust wurden. Und sie waren mindestens genauso erstaunt über unsere Antworten wie wir es über ihre waren.
Trotz der weiterhin aufrechterhaltenen „Standesunterschiede“ – als Gäste des Oberst, ihrem großen Chef über knapp 1000 Menschen wurden wir mit größtmöglichem Respekt behandelt – gab es Annäherungen. Und euch Soldaten, SanOAs und was auch immer, ich kann euch inzwischen immer besser verstehen, wieso ihr zum Militär gegangen seid. Die Atmosphäre in diesem Regiment war super angenehm und es herrschte eine beeindruckende Kameradschaft. Was ich zwar immer noch nicht verstehen kann, ist, mit welcher Gelassenheit die gerade am Vortag erfahrene Nachricht, dass ein Drittel des Regiments bald in de Tschad geschickt wird, aufgenommen wurde. Die Disziplin und die Pflichterfüllung ist beeindruckend!
Alles in allem, also ein super Tag, den ich gerne in Erinnerung behalten werde.

14.1.08 11:27


IN MEMORIAM

Letzte Nacht hat ein Kommilitone Selbstmord begangen. Heute Morgen, als ich zur Uni kam, habe ich es dann erfahren. Offensichtlich als eine der ersten, denn der Großteil der anderes Studenten wusste noch nicht Bescheid. Bis jetzt wusste ich nicht, wie schwer es ist, so eine Nachricht mitzuteilen.
Mein Dozent ließ seinen Unterricht ausfallen und ließ uns offen, wie und wo wir damit umgehen. Nach kurzer Zeit wussten all 200 Studenten Bescheid und in der Uni herrschte ein Schockzustand wie ich ihn noch nie vorher erlebt hatte. Es war eine eiserne Stille überall standen wir Studenten rum und versuchten zu verstehen. Eine gespenstische Atmosphäre herrscht vor. Mittags hatten wir dann eine gemeinsame Sitzung mit dem Direktor, der extra aus Strasbourg zurückgekommen war, und allen anderen Mitarbeitern der Uni. Auch dies eine sehr gespenstische und vor allem traurige Veranstaltung. Und über allem schwebte ein Wort: Warum? Wie konnte so etwas passieren?

Ich kannte diesen Kommilitonen als lebenslustig, offen, freundlich, engagiert aber wir hatten keinen richtigen Draht zueinander. Der große Druck hier an der Uni schien ihm nichts auszumachen und am als ich Anfang des Semesters mit ihm sprach, hatte ich den Eindruck, dass er wahnsinnig stolz darauf war, an Sciences Po zu sein. Und trotzdem ist es passiert. Die Frage, die sich alle stellen ist vor allem die: Ist der Druck an Sciences Po zu groß? Sicherlich, hier wird das äußerste von einem verlangt. Man muss seinen Tag genau einteilen und sehr diszipliniert arbeiten, wenn man den Arbeitsberg meistern will. Wenn ich mich in meinen letzten Einträgen über den Haufen an Arbeit beschwert habe, dann war das gar nix, außer vielleicht das stöhnen einer faulen Sau, die in ihrem Leben bis jetzt noch nie richtige Arbeit kennen gelernt hat und plötzlich feststellen muss, dass sie den Tag nicht nur mit freizeitlichen Aktivitäten verbringen kann. Was wirklich Arbeit ist, konnte ich diesen November erfahren: 4 Referate (die die Hälfte der Halbjahresnote ausmachen), eine Dissertation (8 Seiten), eine Hausarbeit (5 Seiten), ein Revue de Presse (eine Art Referat über die Ereignisse der letzten Woche, zusammengestellt aus sämtlichen wichtigen Zeitungen der Welt), regelmäßiges Lernen für die berüchtigten Tests de Connaissance und möglichst auch noch Aufarbeiten und Wiederholen der Vorlesungen um die Zwischenprüfungen am 8. und 15.12. mit heiler Haut zu überstehen. Freizeit bleibt da nicht. Und den Kopf kriegt man auch nicht frei. Man denkt von Aufgabe zu Aufgabe, von Referat zu Referat und muss immer wieder geschockt feststellen, dass schon wieder Wochenende ist. Und ganz unstudentisch muss ich mal sagen: Wochenende ist Mist. Denn 1. bedeutet das, dass schon wieder eine Woche rum ist, obwohl gerade erst Montag war. Aber der Berg an Arbeit vor einem scheint ebenso wenig wie ich gemerkt zu haben, dass ich gerade mal wieder eine Woche durchgearbeitet habe. Und 2., das Wochenende bedeutet nichts anderes, als knapp 48 Stunden in seinem Zimmer zu verbringen, davon 24 am Schreibtisch. Und gerade im November ist so etwas besonders schlimm. Das Wetter ist grau, es regnet, es ist kalt. Es wird früh dunkel, es wird spät hell. Und auch andere Umstände spielen dort noch mit rein: alles um einen herum scheint tot zu sein: Die Bäume haben keine Blätter mehr, die Wiesen verlieren an grün. Das drückt auf die Stimmung und ich habe nicht selten in den letzten 4 Wochen gedacht „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“.

Man muss versuchen, sich Ausgleiche zu schaffen. Mein Sonntagabend gehört mir und meinen Freunden hier. In der Woche chatte ich an den Abenden um mich etwas abzulenken. (Was nicht unbedingt viel hilft, wenn man nebenbei arbeitet).
Trotzdem, das Leben hier und vor allem an der Uni ist schön. Insofern, dass wirklich eine familiäre und freundliche Atmosphäre herrscht. Jeder Erstsemestler hat eine Patin oder einen Paten, der einem über die anfänglichen Schwierigkeiten hinweghilft und indirekt auch direkt integriert. Wir haben diese Angebote als selbstverständlich hingenommen, höchstens vielleicht gedacht: huch, schöne Sache. Und doch, das heutige Ereignis hat uns allen vor Augen geführt, dass wir an dieser Uni im Endeffekt eigentlich eine große Familie sind. Wir sind alle im selben Boot und es herrscht ein Vertrauensverhältnis vor. Vielmehr wurde heute noch einmal betont, dass genau so ein Verhältnis herrscht. Für uns Studenten wird psychologische Betreuung angeboten, denn die Administration ist sich im Klaren darüber, dass auf uns Studenten ein ungeheurer Druck lastet, den sie auch gut heißt. Auf diese Weise lernt man am meisten. Und das meine ich nicht ironisch. Wenn jemand gezwungen ist zu arbeiten, dann arbeitet er auch. Aber er muss mit Druck umgehen können.

Das makabere an dieser Geschichte ist, dass wir uns am Anfang des Jahres noch über die Tatsache lustig gemacht haben, dass in den oberen Stockwerken die Fenster abgeschlossen sind. „Es könnte ja jemand rausspringen!“ Wozu brauchen wir einen Psychologen? Wir sind doch nicht krank!

Auf grausame Weise wurde uns allen (Studenten, Dozenten, Mitarbeiter) vor Augen geführt, dass solche Einrichtungen nicht alibimäßig eingerichtet sind, sondern tatsächlich durchdacht sind. Dieses Ereignis hat uns zusammen geschweißt. Uns verbindet die Erkenntnis, die vorher wenn überhaupt nur unterschwellig vorhanden war, dass –egal wie groß der Druck der Studien ist – das Leben aus etwas anderem als Wissensaneignung besteht. Eine Tatsache, die wir Elitestudenten leider gerne mal vergessen. Die Erinnerung an unseren Kommilitonen wird uns hoffentlich ein ewiges Mahnmal dessen sein.

In Memoriam.

30.11.07 22:50


Abenteuer Ausland - Teil III

Uff. Zwei ereignisreiche Wochen liegen hinter mir. Und jetzt – Sonntagabend immerhin – schaffe ich es endlich mal wieder, mich auch um meinen Blog zu kümmern. Huiuiui. Es gibt viieeeel zu erzählen. Also schafft euch schon mal Proviant an den Computer und schaut, dass ihr in den nächsten Stunden keine Termine habt. Ihr habt mal wieder die Lektüre eines Romans vor euch!!!

Einiges ist schon so lange her, dass ich tatsächlich mal das Programm von meinem stage d’intégration zur Hand nehmen muss um mich noch zu erinnern. Also. Nach einer durchfeierten Nacht in der angesagtesten Disco an der Place Stan sind wir am Freitag, 28.9. um 6:45 (!)nach Paris zu feierlichen Rentrée in unserer „Mutteruni“ gefahren, denn wir sind ja nur ein delokalisierter Campus. So hatten wir dann in Paris die Möglichkeit, auch mal die anderen Studenten kennen zu lernen. Es gibt nämlich neben Paris nicht nur den deutsch-französischen Campus, sondern auch den französisch-asiatischen, den französisch-spanischen, den französisch-arabischen und ich glaube auch noch andere, auf die ich im Moment nicht komme. Der Kommentar von einigen anderen Deutschen, die vorher schon ein Jahr studiert hatten, zu der Uni in Paris war „Hier sieht es wenigstens aus wie in einer richtigen Uni“. Und da musste ich zugeben (mit meiner wahnsinnigen Erfahrung^^), sie hatten Recht. Unsere süße kleine Uni in Nancy ist echt sehr steril. Keine Schmierereien auf den Tischen, Plakate nur an den dafür vorgesehenen Plätzen und alles in schönen freundlichen Farben gestrichen. Paris ist auch noch sehr schön, aber halt viel größer und in dem historischen Hörsaal haben sich auf den Tischen schon Generationen von Studenten verewigt. Dann hatten wir erstmal eine Runde Reden über uns ergehen zu lassen, vom obersten Direktor Richard Descoings höchstpersönlich (der, wie ich im Nachhinein auf meine Frage, für dich mich die Franzosen angesehen haben, als käme ich von einem anderen Stern, erfahren habe, eine bekannte Persönlichkeit in Frankreich ist… )und auch noch von jemand anderem (ich habe den Verdacht, dass auch er in Frankreich sehr bekannt ist, ich unwissendes Etwas^^). Diese Reden hatten im Prinzip mal wieder den gleichen Inhalt: Bleibt bescheiden. (Klammer auf; Exkurs Anfang) Inzwischen kann ich das ganze eigentlich wirklich nur noch als Sarkasmus ansehen. Vor vier Tagen trudelte nämlich eine Mail von meinem Nancy-er Direktor in mein Postfach, der uns ganz stolz von einem neuen Uniranking erzählte, blablabla. Der Tenor dieser Speicherplatzverschwendung war im Endeffekt „Studenten kniet nieder, ihr studiert an der achtbesten Uni der Welt!“ Bescheiden bleiben. Danke. Natürlich. Am besten so, wie die ganze Administration oder so. Da haben wir ja echt die besten Vorbilder… Die spinnen die Franzosen! (ja, streicht es in eurem Kalender an: ich meine es wirklich so!!^^)(Klammer zu; Exkurs Ende)
Am Nachmittag hatten wir dann noch alle zusammen eine Vorlesung auf Französisch: ein echter Härtetest. Aber es hat mich doch erstaunt, wie viel ich verstanden habe. Den Rest des Nachmittags hatten wir frei und durften ihn im schönen Paris verbringen. Es hat an diesem Tag geschüttet wie Sau, also war unsere einzige Besichtigung ein kleines Straßencafé, wo wir uns dann aufgewärmt haben. Abends ging’s dann mit dem TGV zurück nach Nancy, wo wir knapp eine halbe Stunde Zeit hatten, um unsere Sachen zu holen und uns dann auf den Weg zum weekend d’intégration zu machen. Dieses Wochenende haben wir in einer wunderschönen Jugendherberge in den Vogesen verbracht. Wir waren mitten in der Wildnis, fernab von jeglicher Zivilisation und konnten Krach machen bis zum Morgengrauen. Das haben wir dann auch gemacht…Gefrühstückt wurde so gegen 12 oder 1 Uhr mittags. Es war eine wirklich geile Fahrt, wie eine Klassenfahrt (wir haben in einem 8er-Zimmer mit Doppelstockbetten geschlafen!) nur ohne Lehrer! Sonntag haben wir dann einige Gruppen gebildet und haben gemeinsam etwas unternommen. Ich war auf einem wunderschönen Stausee Kanu fahren. Sonntagabend sind wir dann rechtschaffen kaputt wieder in Nancy angekommen und am Montag ging es dann direkt volle Kanone mit der Uni los.
Jaa. Was lässt sich alles zur Uni berichten. Die Kurse hier finde ich alle sehr interessant. Mit den französischen Vorlesungen komme ich erstaunlich gut zurecht, denn ich habe sehr nette Professoren, die sehr langsam und deutlich sprechen und wenn etwas wichtig ist, dann sprechen sie noch langsamer und deutlicher und wiederholen die Sätze extra nochmal. Dagegen ist die Geschichtsvorlesung auf Deutsch schon hart. Das sage sogar ich als Deutsche, denn der Prof klickt seine (extrem schlecht gemachte) Power-Point-Präsentation (die hier an Sciences Po Pflicht Nummer 1 bei Referaten, Exposés, Vorlesungen etc. ist… ) nur durch, redet extrem schnell, so dass man weder mit dem PC noch per Hand ordentlich mitschreiben kann, liest seine gesamte Vorlesung von seinem Manuskript ab – in einem Affenzahn – und glaubt von sich sowieso er wäre der Beste. (In den 10 Minuten, in denen er sich vorgestellt hat, hat er mindestens fünf Mal seine Habilitationsschriften erwähnt, frei nach dem Motto „Ich weiß was und ihr nicht, was seid ihr nur für dumme, lebensunwerte Kreaturen“ ) Trotzdem liebe ich seine Kurse, denn – nein, ich schäme mich nicht dafür – es erfüllt mich doch mit einer gewissen Schadenfreude, auch mal zu sehen, wie den Franzosen alle Felle wegschwimmen und sie einfach nichts mehr raffen. *ganzfiesgrins*
Zu fast jeder Vorlesung haben wir auch noch ein Proseminar (ich glaube jedenfalls, dass man es auf Deutsch so nennt^^), wo wir ergänzend zu den Vorlesungen den Stoff noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und uns etwas intensiver und vor allem aktiv damit auseinandersetzen. Da ist mein Lieblingskurs eindeutig Geschichte – auf Deutsch! Das ganze da läuft nämlich nicht so regelkonform und autoritär ab. Es fällt mir immer noch extrem schwer, mich in ein so autoritäres System einzufinden, das mir selbst genau die Struktur („2 parties, 2 sous-parties“ ), die Länge (10 Minuten, sonst gibt es Punktabzüge, ebenso wie wenn eine partie des Referats länger als 2 Minuten dauert, bzw länger als eine andere ist… ) und die Präsentationsform (Powerpoint: der Gott des exposés!!!) meiner Referate vorgibt. Man sagt immer, die Deutschen wären so ordentlich und so strukturgeil. Die Franzosen sind da eindeutig viel schlimmer!!!!
Was die anderen Proseminare angeht, die sind schwerer, denn sie sind auf Französisch. Aber auch da komme ich eigentlich recht gut klar, denn wir wiederholen viel, bzw. wir fangen in Wirtschaft z.B. ganz von vorne an. Sehr viele Franzosen hier hatten noch nie in ihrem Leben Politik- oder Wirtschaftsunterricht, weil es „unprestigiös“ ist, einen „bac“ mit gesellschaftswissenschaftlicher Orientierung zu machen. Die Naturwissenschaften (der „bac S“ ) haben einfach viel mehr Prestige, zur Not kann man auch einen literarischen „bac L“ machen, das wird dann gerade so noch akzeptiert, aber ein „bac ES“ (also gesellschaftswissenschaftlich), das machen nur die Schulversager, die zu doof für die beiden anderen „bacs“ sind. Naja, meine Meinung dazu fällt unter meinen vorigen Blog-Eintrag…
Meine Sprachkurse sind ganz lustig. Ich habe in Englisch und Französisch niveau 3 erreicht, das heißt ich habe mittel bis starke Kenntnisse. Nun ja. Niveau 4 wäre mir lieber gewesen, aber zum Semesterende kann man ja wechseln. Die Lehrer hier sind alle Muttersprachler, so dass ich einmal in der Woche richtig schönes American und British English höre. Das tut gut! Nur wenn ich gerade einen Englischkurs hinter mir habe, dann kriege ich kein ordentliches Wort mehr raus, bzw. ich mixe alle Sprachen. Im Moment habe ich echt den Eindruck, dass ich keine einzige Sprache mehr ordentlich beherrsche. Versuche ich Englisch zu schreiben, kann ich sicher sein, dass es “franglais“ ist. Ich benutze zwar englisch klingende Ausdrücke, im Endeffekt übernehme ich aber doch nur französische Redewendungen und übersetze sie. Wenn ich Deutsch rede, kann es sehr gut passieren, dass ich, wenn ich ein französisches Wort einbaue, plötzlich auf Französisch weiter rede. Eigentlich sprechen wir an der Uni immer einen Mix aus drei Sprachen. Die internationale Ambiance (da haben wir es wieder: ich kriege das Wort „Atmosphäre“ einfach nicht mehr über die Lippen, bzw. auf den Bildschirm… ) hier gefällt mir wahnsinnig gut.
Aber auch wenn ich euch eigentlich nur positives berichte, möchte ich doch keine Illusionen aufkommen lassen: ich habe hier – um es mal auf gut Deutsch auszudrücken – den Arsch voll Arbeit. Es wird erwartet, dass ich mich auf jede Stunde vorbereite – abgesichert wird das dann über Wissenstests am Anfang jeder Stunde. Hausaufgaben kriege ich selbstredend auch noch auf. Natürlich ist es sinnvoll, die ganzen Notizen aus den Vorlesungen noch einmal über- und vor allem aufzuarbeiten. Dann wird in jedem Fach ein perfekt recherchiertes (und wahnsinnig spezielles) Referat erwartet (s.o.) und Hausarbeiten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Kurz gesagt, der Berg an Arbeit vor mir hat schon beträchtliche Ausmaße angenommen, die ich nur durch fünf Stunden extreme-arbeiting in der Unibibliothek am Freitag halbwegs zum schrumpfen bringen konnte. Aber ich will mich nicht beschweren, denn eigentlich bin ich auch wegen dieses Berges an Arbeit hier her gekommen. Nur meine faule, von der deutschen Oberstufe verwöhnte, Charakterseite rebelliert doch noch stark. Aber ich brauche gar nicht erst dran zu denken, mein in der Oberstufe perfektioniertes System des „Scheiß-auf-die-Hausaufgaben-mach-lieber-was-sinnvolles“ hier fortzuführen. Das würde keinen Tag lang gut gehen. Also: arbeiten, arbeiten, arbeiten. A propos, da kann ich gleich mal euch Kölner Studenten fragen: Hat irgendjemand von euch ne Ahnung, ob ich in Köln in die Unibibliothek (Abteilung Geschichte& evtl. Jura) einfach so reinkomme? Brauche ich dafür einen Studentenausweis und wenn ja, würden die auch meinen französischen akzeptieren?? Meine Semaine de Lecture kann nämlich leider nicht nur aus feiern mit euch bestehen…

Inzwischen habe ich auch schon viele Freunde hier gefunden, sodass meine Wochenenden inzwischen auch schon immer ausgebucht sind. Trotzdem, ich zähle die Tage rückwärts, bis ich endlich wieder in Köln bin: am 26.10. abends gegen 10 Uhr habt ihr mich wieder!!! Da habe ich nämlich eine Woche Ferien (Entschuldigung – semaine de lecture wollte ich sagen^^). Ich freue mich schon wahnsinnig!!!

So, jetzt habe ich keine Lust mehr, etwas zu schreiben. Alles Wichtige ist auch erzählt, den Rest dann mündlich!

15.10.07 21:29


Abenteuer Ausland - Teil II

So, ihr Lieben – mehr als eine Woche meines „stage d’intégration“ ist schon rum und bis jetzt bin ich in meiner Ansicht, die richtige Uni gewählt zu haben, eigentlich nur bestärkt worden. Aber ich sollte von vorne beginnen. Am Donnerstag, 13.9. hatten wir morgens, nach einem gemeinsamen Frühstück, den offiziellen Empfang vom Direktor. Zuerst bekamen wir eine kleine Kostprobe von der Oper von Nancy, denn unser Sprachenkoordinator ist auch gleichzeitig Sänger dort. Und so fing dieser Empfang mit dem „Vogelfänger“ an. Die Rede des Direktors vier Stunden gedauert…aber aber sie war auch wirklich interessant. Das Konzept von Sciences Po hat mich doch sehr stark an das Konzept der modernen Schule erinnert. Das Gebäude selber ist top ausgestattet. Dank W-Lan kann man sich überall ins Internet einloggen – was auch gerne mal zu kleinen MSN oder ICQ-Einlagen mitten in der Vorlesung führt, wie mir meine Patin berichtet hat…
Wir haben unseren hauseigenen Informatiker, der sich um das ganze Technikequipment (beeindruckend!!! Wir haben zum Beispiel auch Vorlesungen direkt aus Paris, die live per Videokonferenz übertragen werden und die wir hinterher nochmal auf einem Server – youtube ähnlich – anschauen können.) und auch um die zusammengebrochenen Rechner der Studenten kümmert. Die Hörsääle und die ganze Uni sind in einem super Zustand. Keine Kritzeleien auf den Tischen, alles hell und freundlich, also eine perfekte Lernatmosphäre . Man hat im Prinzip überall die Möglichkeit, sich mal kurz hinzusetzen und schnell ins Internet zu gehen. Wir haben einen kleinen Freizeitraum, wo Sofas stehen, die Schließfächer sind und wo sich auch ein Kicker befindet, sodass wir auch unseren Kopf mal frei kriegen können.
Was die Studenten hier angeht – Respekt! Der Direktor hat keinen Zweifel daran gelassen, dass wir ja hier an diese Uni kommen wollten und dass wir dafür große Anstrengungen unternommen haben (Bewerbungsdossier schicken, Bewerbungsgespräch meistern, etc… und dass deswegen auch erwartet wird, dass wir arbeiten. Daran habe ich keinen Zweifel. Es hört sich arrogant an, es so zu formulieren, aber es ist so: hier an dieser Uni befindet sich die Elite. Es gibt unheimlich viele „franco-allemands“ , die sowohl Deutsch als auch Französisch fließend sprechen; von Deutschen hat ein sehr großer Teil schonmal in Frankreich gelebt oder hat schon ein Jahr Französischstudium hinter sich. Sehr viele Leute haben den Abibac gemacht. Das kann einem so als ganz „normalen“ Menschen – deutsch, Abitur, noch nie in Frankreich gelebt, keine französisch-stämmige Verwandtschaft – schon verdammt viel Respekt einflößen. Ich habe häufig den Eindruck, mein Französisch ist unter aller Sau. Und, ja ich schäme mich auch dafür, in den letzten Tagen habe ich meistens mit Deutschen rumgehangen und natürlich Deutsch gesprochen… Aber auf der anderen Seite glaube ich, hier auch die Herausforderungen zu finden, die mir in der Schule zum Teil gefehlt haben. (Mist, schon wieder kommt diese Arroganz durch, obwohl ich es gar nicht so meine…) Ich glaube, es wird noch eine Weile dauern, bis wir alle hier kapieren werden, dass alle an dieser Uni früher schon zu den verdammt Guten gehört haben und dass hier andere Maßstäbe gelten als an unseren alten Schulen. Ich finde es aber auch irgendwie angenehm und auch sehr lustig, wenn man auf die Frage nach dem Abischnitt mit 1,1 antwortet, nicht mit tellergroßen Augen angeguckt wird und gefragt wird, ob man den dafür in den letzten beiden Jahren an der Schule überhaupt noch etwas anderes gemacht habe als lernen und wo der Hintergedanke „Streber!!“ einen geradezu anschreit, sondern wo man nur ein sehr erfreutes Lächeln und „Echt? Das ist ja lustig, ich auch!“ erntet. Ein sehr großer Teil der Deutschen hier wurden alle für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen und so haben wir uns auch schon gut austauschen können, wie man denn seinen schriftlichen Lebenslauf am besten gestaltet…
Insgesamt habe ich eigentlich den Eindruck, in einer Art fortgesetzten Profilklasse zu sein. Uns alle hier verbindet das große Interesse an dem, was wir studieren werde. Hier diskutieren wir nicht am Morgen über die neuesten Entwicklungen in „Desperate housewives“, sondern eher über aktuelle politische Themen. (Zugegeben – das hört sich jetzt todlangweilig und spießig an, ist es aber nicht ;-) )

Elodie und ich haben uns inzwischen abgesprochen, sodass jede von uns immer mal eine Zeitung kauft, und wir die dann hinterher austauschen können. Ein anderes Projekt von uns ist auch noch, dass wir uns dann gegenseitig auf der jeweiligen Fremdsprache erzählen, was in der Welt so vor sich geht. Naja, realisiert haben wir das allerdings noch nicht :-P.
Jetzt am Wochenende ist hier in Nancy eine große Büchermesse „Livres sur la place“, wo die neuesten Bucherscheinungen vorgestellt werden. Das riesige Zelt, wo sich das alles abspielt, ist (mal wieder ;-) ) ganz nah von meinem foyer gelegen (5 Min zu Fuß, und so war ich in den letzten zwei Tagen auch zwei Mal schon dort. Mein armes Studentinnenbudget – es wurde mal wieder arg strapaziert. Bei Büchern kann ich einfach nicht widerstehen!! Aber wenigstens habe ich mir ein Buch gekauft, das mein Studium unterstützen wird: „L'Europe centrale et orientale“. Ich musste doch meine Uni – die auch einen Stand dort hatte – unterstützen. Aber im Moment hadere ich mit mir, ob ich nicht doch lieber andere Bücher hätte kaufen sollen: „Philosophie des relations internationales“ z.B....Ach man, die Bücher da waren alle so interessant! Naja, im Moment bin ich sowieso erstmal noch mit Sebastian Haffner - „Von Bismarck zu Hitler“ - beschäftigt, damit ich meine Zusatzkurs-Geschichtskenntnisse auf einen halbwegs annehmbaren Stand bringen kann...

Meine Sprachtests sind eigentlich alle ganz gut verlaufen, als erstes wurden wir in Englisch getestet. Da sind uns echt allen die Flicken aus der Hose gefallen, mein Gott, der Test war echt hart! Wir hatten einen Text aus der Financal Times über „Schlimmbesserungen“ im Kampf gegen den Klimawandel. Ich habe den Text gesehen und auch, dass da verschiedene Worte unterstrichen waren und konnte mir gleich denken was das heißt: 1. Suchen Sie Synonyme für die unterstrichenen Vokabeln und formulieren Sie die Sätze neu. Uff! Was um Himmels Willen heißt „dog“?? Ja, Hund, danke, so weit war ich auch, aber „TO dog“, als Verb? Dass „offset“ 'ne Sportwette ist, wusste ich auch vorher, aber die deutsche Übersetzung dieses Wortes als Verb?? Uff...naja, wenn man den Kontext dabei hatte und den Text (nach immerhin 3-4-maligem Durchlesen) halbwegs verstanden hatte, dann ging diese Aufgabe. Ansonsten sollten wir den Text noch in 5 Zeilen zusammenfassen und einen Essay über ein aktuelles Ereignis in der englischsprachigen Welt schreiben. Ich kann es nur wiederhoeln: UFFF! Dieser Test war wirklich hart. Aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Franzosen größere Probleme hatten als wir Deutschen :-).
Aber, ihr könnt es euch vorstellen, ich hatte dafür einen riesigen Schiss vor dem entsprechenden Französischtest. Wenn Englisch schon so schwer war, was würde da erst in Französisch auf auf mich zukommen?? Da muss ich sagen, dieser Test war doch sehr human. Er hat mich sehr stark an meine ganzen DELF und DALF Prüfungen erinnert, die ich gemacht habe. Die Texte waren relativ leicht zu verstehen und (Gott-sei-Dank) mussten wir keine Vokabeln mehr erklären.
Basierend auf diesen Tests werden wir jetzt in Sprachniveaus eingeteilt, irgendwas zwischen 0 (blutiger Anfänger) und 5 (Muttersprachler). Dann kriegen wir extra Sprachunterricht unseren Niveaus entsprechend – demnach also in kleinen Kursen.
Ich bin mal gespannt, in welchem Niveau ich lande, denn um eine 4. Sprache (in meinem Fall Spanisch) anfangen zu können, muss ich mindestens die Niveaus 3 und 4 erreichen – oh là là! Mal sehen...
Am einfachsten fand ich übrigens den Spanischtest: ich konnte die erste Frage problemlos beantworten (Name?) und war sehr schnell fertig: Ich habe „grande débutante“ auf meinen Zettel geschrieben und bin wieder gegangen. :-D

Im Moment habe ich noch sehr viel Freizeit, wir haben maximal 4 Stunden „Vorlesungen“ am Tag, und alle sind vor allem darauf ausgelegt, dass wir das System (Einschreibungen, Technik...) von Sciences Po kennen lernen.
Die Zweitsemestler organisieren für uns sehr viele fakultative Freizeitbeschäftigungen: Am zweiten Abend hatten wir „Speeddating“, das war wirklich lustig. Es funktionierte nach dem Prinzip normalen „Speeddating“-Prinzip, nur dass es zum Ziel hatte, dass wir möglichst viele neue Leute aus unserem Jahrgang kennen lernten.
Letzten Dienstag waren wir in Straßburg und haben dort den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte besucht. Das war sehr interessant. Hinterher bin ich noch mit ein paar anderen Mädels zum europäischen Parlament gegangen, wo wir uns einen netten Securitymann geschnappt haben, der uns zwar keine Führung durch das Parlament geben konnte, uns aber lauter Infomaterial besorgt hat, so dass ich mein Zimmer jetzt mit einem sehr schönen Plakat vom Europäischen Parlament verschönern konnte.

Insgesamt wird mein Zimmer so langsam wirklich richtig gemütlich. Ich habe mir noch verschieden Lampen gekauft, so dass ich selbst abends nicht dieses hässliche Neonlicht ertragen muss, und auch sonst fange ich an, mich hier richtig wohl zu fühlen.
Zwischendurch hatte ich schon einige Tiefphasen, wo ich nichts lieber wollte, als wieder nach Köln zu fahren und irgendwas mit euch zu unternehmen, aber so langsam lebe ich mich ein. Es ist lustig, wie ihr fast alle geschlossen von meiner neuen (Wahl-)Heimat gesprochen habt. So habe ich das nämlich noch gar nicht gesehen und ich tue mir auch sehr schwer, es so zu sehen. Ich habe so langsam stark den Eindruck, dass ich zu einer Französin mutiere: Ich habe endlich mein französisches Konto, bin stolze Besitzerin meiner französischen Kreditkarte, habe endlich einen französisches Handy. Nur mit dem fließend Französisch sprechen hapert es noch etwas...Aber ich fühle mich nach wie vor als Kölnerin (ach ja, das ist übrigens sehr lustig: wenn man die Deutschen an meiner Uni fragt, wo sie herkommen kriegt man meistens entweder Berlin oder Köln als Antwort). Hier in Frankreich fehlt mir auf jeden Fall ein ordentliches Bier (letztens musste ich schon Heinken trinken...) und dann gibt es noch eine Unverschämtheit sondergleichen: Die Prüfungen am Semsterende liegen GENAU ÜBER KARNEVAL!!! Das heißt, ich kann über Karneval nicht nach Hause, ich kann nicht feiern, ich kann nich im Zoch mitgehen...ohoh, ich kriege so langsam mal wieder gaaanz starkes Heimweh. :-( Ich hab mit einigen Kölnern schon ernsthaft überlegt, eine Meuterei anzufangen oder zumindest mit Pappnase zu den Prüfungen zu erscheinen.
Ansonsten habe ich mit Überraschung festgestellt, dass der 11.11. in Frankreich ein Feiertag ist (Hoffnung keimte in mir auf!!) und dann muss ich tatsächlich feststellen: der 11.11.2007 ist ein SONNTAG. Hmpf. Irgendwie scheint mir mein Studium Karneval nicht zu gönnen.

Soweit ein erster grober Überblick über mein neues Leben als Studentin. Herzlichen Glückwunsch an diejenigen, die es tatsächlich geschafft haben, sich bis ganz ans Ende meines Textes durchzuschlagen und vorher nicht verhungert oder verdurstet sind ;-).

Beim nächsten Mal werde ich euch hoffentlich mehr über mein neues Studium in Politikwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Jura und Geschichte auf Englisch, Französisch und Deutsch, das am 3.10. anfängt, erzählen können. (Das war jetzt eine weniger elegant eingebrachte Antwort auf eure Frage, was ich denn jetzt genau hier studieren werde...aber ihren Nutzen hat sie ja hoffentlich erfüllt ;-) )

Grüßt mir meine „alte Heimat“ schön – und nicht vergessen, ich bin ganz neugierig, was dort so vor sich geht! :-)

So, und am Ende noch ein paar Bilder meines Ausflugs nach Straßburg:

Ich im Innenhof des Europäischen Parlamentes:

Und mein ganzer Jahrgang vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte:


23.9.07 13:03


Abenteuer Ausland- Teil I

Hallo, ihr Lieben!

So, endlich schaffe ich es auch mal, mich aus dem schönen Nancy zu melden...eigentlich wollte ich schon Sonntag schreiben, aber das Internet in meinem ganzen Wohnheim ist komplett zusammengebrochen, also muss ich im Moment immer zum nächsten McDonalds (2 Minuten von hier) pilgern, da gibts es nämlich gratis W-Lan. Aber da habe ich einfach nicht die Ruhe um einen großen Erlebnisbericht zu schreiben. Es gibt so viel zu erzählen! Naja, jetzt bin ich auf die Idee gekommen, diesen Text einfach in Ruhe in meinem Zimmer offline zu schreiben und sie dann morgen in Ruhe vom Mäcces hochzuladen. Ich sags Euch: man merkt erst, wie abhängig man vom Internet ist, wenn man es NICHT hat. Das ist wirklich traurig. Aber jetzt mal zu den wirklich interessanten Dingen:

Letztes Wochenende habe ich den Umzug nach Nancy hinter mich gebracht. Meine ganzen Sachen habe ich in zwei großen Campingmobilen locker untergekriegt...ein bisschen Luxus braucht man ja schon. :-P Ich hatte mein Zimmer hier im Wohnheim ja noch in Erinnerung - dachte ich jedenfalls. Als ich dann hier war, habe ich festgestellt: dieses Zimmer ist seit meiner letzten Besichtigung auf jeden Fall um mindestens 4m² geschrumpft!! Naja, meine Sachen habe ich trotzdem alle unterbekommen, nicht zuletzt dank meines schier unfüllbaren Kleider(wand-)schranks! Nach einem Extremshopping in letzter Minute in Köln am Freitag und diversen Shoppingtouren durch die (alle maximal 5 Minuten entfernten) Einrichtungs- und Krimskramsläden, die mein armes Studentinnenbudget doch stark strapaziert haben, habe ich es inzwischen geschafft, mein süßes kleines Zimmer (etwas mehr als 10m² in eine kleine Ecke, wo man sich auch wirklich wohlfühlen kann, zu verwandeln. Ich wohne hier in einem Altbau (ich glaube ein vormaliges Kloster, das Wohnheim wird jedenfalls von Nonnen geführt (für alle, die das noch nicht wussten: JA, ICH, Sabine, wohne wirklich bei Nonnen!!!Hört sofort auf zu lachen!!!) direkt im Zentrum von Nancy gegenüber von der Kathedrale), der Boden ist schief (wenn ich mein Regal anschaue, were ich seekrank ;-)), die Wände scheinen mir aus Pappe zu sein. Jedenfalls höre ich es sogar, wenn meine Zimmernachbarin sich die Zähne putzt...naja, unter diesen Umständen kann ich aber wenigstens gut verstehen, warum Männerbesuch auf den Zimmern strengstens verboten ist :-D . Was das Stromnetz angeht, ist das wohl auch nicht allzu vertrauenswürdig, denn die Sicherung meines Zimmers ist für 2 Ampere ausgelegt. Ich kann mich glücklich schätzen, wenn ich es schaffe, Computer, Drucker, Schreibtischlampe und meine Boxen gleichzeitig am laufen zu haben. Meinen Fön und Wasserkocher kann ich hier total vergessen. Dafür muss ich in den Duschraum gehen. Aber damit kann ich auch leben (vielmehr stört mich wirklich, dass ich kein Internet habe!!!).
Aber das wars auch schon von den Nachteilen. Ich wohne hier wirklich so zentral, zentraler geht es wirklich nicht mehr. Sämtliche Geschäfte, Post, der Place Stanislas (das touristische Zentrum), der nächste Park, die nächste Straßenbahnhaltestelle und alles, was der Mensch sonst zum Leben braucht (nein, dazu zähle ich nicht McDonalds, auch wenn er sehr nah ist) liegt 5 Minuten oder weniger zu Fuß entfernt. Zu meiner Uni und zum Bahnhof sind es knapp 10 Minuten zu Fuß. Auch wenn ich erst seit 3 Tagen wirklich hier wohne, habe ich das wirklich schon zu schätzen gelernt.
Die anderen (bis zu 25) Mädels, die hier wohnen, sind alle sehr nett und die Nonnen geben ihr möglichstes, uns wirklich zu integrieren und uns bei anfänglichen Schwierigkeiten zu helfen. Mit einem Mädchen, Elodie, habe ich mich schon gut angefreundet. Sie wird auch bei Sciences Po studieren, von daher haben wir eigentlich die selben Interessen. Ihre Großeltern sind deutsche, sie spricht fast fließend Deutsch, dagegen fühle ich mich mit meinen Französischkenntnissen doch arg aufgeschmissen. ( Aber sie sagt ungefähr das selbe über mich...) Aber mal wieder stelle ich fest: irgendwie ist es doch sinnvoll, mal ab und zu Vokabeln zu lernen. In Französisch habe ich es ja im Prinzip meine ganze Schulzeit über geschafft, das zu vermeiden. Und in Englisch ist es auch nicht viel besser gewesen. Ich hätte wissen müssen, dass sich das irgendwann rächen wird...
Ich habe hier im Wohnheim Halbpension, unter der Woche muss ich also noch nicht mal kochen. Das Essen hier ist wirklich lecker und pro Mahlzeit hat man kriegt man 4 Gänge: Vorspeise, Hauptgang, Käse, Nachtisch. Die Portionen sind riesig, sodass ich mich mit einem Müsli als Frühstück, Mittagessen im Wohnheim und als Abendessen maximal einem Apfel und keinen kleinen Snacks zwischendurch den ganzen Tag überfüttert fühle. Das hat Elodie heute dazu veranlasst zu bemerken, dass die Deutschen generell ja sehr wenig essen. Also, ich weiß, man kann vieles über mich sagen, aber dass ich wenig esse, DAS war selbst mir komplett neu...
Also alles in allem, war mein Auszug zu Hause nicht der Ausbruch aus dem goldenen Käfig, sondern eher der Umzug in einen anderen, wie ihr sicher bemerkt habt!
Naja, jetzt, wo ich es endlich geschafft habe, die 18 zu knacken, muss ich mich aber immerhin selbst um die Eröffnung eines französischen Kontos, Besorgen einer französischen Handykarte, Wohngeldantrag kümmern. Bis jetzt habe ich das aber erfolgreich vor mir hergeschoben. Elodie hat mir schon netterweise angeboten, dabei zu helfen und ggf. zu übersetzen. Sie ist wirklich total nett!!
Wir gehen immer zusammen einkaufen, weil eine Mahlzeit pro Tag müssen wir uns ja selber machen. Es ist wirklich etwas komplett Neues für mich, beim Einkaufen auf die Preise zu achten. Aber es ist schon sinnvoll, zu sparen... Elodie ist da schon etwas geübter drin. Die Franzosen geben netterweise neben den Preisen für das Produkt auch den Kilo-/Literpreis an, sodass man sehr gut vergleichen kann. (Wenn es das in Deutschland auch gibt, habe ich mich soeben bis auf die Knochen blamiert... ;-))

Übermorgen dann ist meine Schonfrist endgültig vorbei, da geht die Uni los. Erstmal habe ich zwei Wochen ein Integrationsseminar, in dem man uns ganze Erstsemestler auf ungefähr den selben Wissensstand bringen will, was Methoden etc. angeht. Also werde ich (mal wieder ?!) lernen, wie man richtig Hausaufgaben oder Referate macht. Naja, aber es ist schon sinnvoll, sowas mit uns zu machen, immerhin hat diese Uni einen Ausländeranteil von 50%, die meisten davon sind Deutsche. In diesen zwei Wochen muss ich außerdem noch diverse Sprachtests über mich ergehen lassen, damit wir Studenten in verschiedene Sprachniveaus eingeteilt werden können. Abgefragt wird Grammatik, Wortschatz (ahhhhhh!!!) und auch das mündliche Ausdrucksvermögen. Komischerweise mache ich mir, was das angeht, in Englisch weitaus weniger Sorgen als in Französisch...Ich war am Montag schonmal mit Elodie an der Uni im Sekretariat, weil sie dort etwas abgeben musste. Sie sind wirklich nett da. Die Sprachtests sind nur dazu da, um uns einzusortieren und überhaupt nicht endgültig. Wenn wir uns in einem Niveau nicht wohl fühlen, können wir problemlos wechseln, hat man uns beruhigt.
Ich bin wirklich schon gespannt, wie das werden wird. Irgendwie habe ich schon ein bisschen Angst, dass ich da überfordert sein werde. Ich begegne diesem Sudium wirklich mit sehr großem Respekt...:-P(jaja, denkt euch euren Teil!!) Aber im Großen und Ganzen überwiegt doch die Vorfreude auf das Studium und die neuen Herausforderungen!

Heute Nachmittag werde ich mich mit meiner Patin treffen, die mir von der Uni zugewiesen wurde. (Die Uni ist wirklich unheimlich bemüht, was die Integration ihrer Erstsemstler angeht!!) Glücklicherweise ist das Wetter heute wunderschön, der Himmel ist strahlend blau und die Sonne scheint (naja, ok immerhin sind's 12°C *bibber*), aber wir werden wohl einen schönen Stadtbummel unternehmen. Nancy ist wirklich eine wunderschöne Stadt! Soweit ich das mit meinen doch sehr eingeschränkten architektonischen Kenntnissen einschätzen kann, ist sie komplett im Barockstil gehalten. Der Place Stanislas, das touristische Zentrum von Nancy (200 m von meinem Wohnheim entfernt), ist ganz in weißen Steinen gebaut, die Tore strotzen nur so von Goldverzierungen. Wenn die Sonne scheint, ist auf diesem Platz eine Sonnenbrille angebracht, sonst wird man echt durch die Helligkeit geblendet. Ich könnte euch echt noch so viel von Nancy erzählen, aber dann würde ich mit dieser Mail in 2 Tagen noch nicht fertig sein...Am besten ist es wirklich, wenn ihr mich besuchen kommt! Für die Mädels und meine Verwandten unter euch: Die Nonnen können euch billig ein Zimmer zur Verfügung stellen (ich glaube, für 12€ pro Nacht), Jungs und andere Bekannte: Sorry, was das angeht habt ihr Pech gehabt, aber es gibt hier in der Umgebung wunderschöne Hotels!
Es macht wirklich großen Spaß, Nancy zu besuchen, aber noch viel mehr Spaß würde es mir machen, Nancy mit euch zu besuchen. Ihr fehlt mir alle wahnsinnig!

So, das war auch schon mein erster großer Bericht von meinem Abenteuer Ausland. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir möglichst schnell antwortet und mir ein paar Nachrichten aus der Heimat überbringt (oder von wo auch immer ihr wohnt!!)!

Also, bis zur nächsten Mail, macht's gut!

Viele liebe Grüße!

Hier noch ein paar Fotos von meinem Zimmer und dem Blick aus meinem Fenster:




16.9.07 16:10





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