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Verschiedenes

Szenen einer Ehe

Ja, da staunst du was, Computer? Hättest du wohl nie erwartet, dass ich dich verlasse! Aber ich habe es getan! Mir reicht es! Nicht nur, dass du deine dauernden Querelen mit W-Lan nicht endlich beilegen konntest. Nein, du musstest mich ja auch noch bis zur Weißglut treiben und dich dauernd weigern, die Aufträge auszuführen um die ich die gebeten habe. Und als dich dann gezwungen habe, es trotzdem zu tun, hast du aus lauter Bosheit die Daten, die ich dir anvertraut habe, vergessen und gelöscht. Das verstehe ich nicht unter Beziehung!

Pah. Du kannst mich mal, ich bin dich losgeworden und habe dich durch ein MacBook ersetzt. Ja! Da staunst du, was? Mit einem MacBook wirst du NIE mithalten können! Es sieht besser aus als du. Es ist kleiner und leichter als du und allein schon deswegen ein besserer Partner als du. Aber nicht nur das – sein Charakter ist auch noch viel freundlicher. Es ist viel logischer und tut immer genau was ich sage. Es ist übersichtlicher. Es ist stabiler. Es ist stylisher. Da kann so ein kleiner Wurm wie du ja schon mal gar nicht mithalten.
Aber das allerwichtigste Kriterium: Es und W-Lan sind die besten Freunde! Kein einziges Mal bis jetzt haben sich die beiden gestritten. Nie! Na, was sagst du dazu? Komisch, ne? Man kann sich mit einem W-Lan vertragen! Ja, es ist möglich!

Ich trauere dir nicht nach, PC. Mit Mac habe ich die eindeutig bessere Partie gemacht. Wir beide sind glücklich zusammen, viel glücklicher als ich es mit dir jemals gewesen bin. Ich hoffe, dass unsere Beziehung jetzt sehr lange andauern wird. Die ganze Welt steht uns beiden offen, wir haben so viele Möglichkeiten und das alles verdanke ich MacBook!
Ich möchte dich deshalb bitten, mich nicht mehr zu belästigen. Versuch es gar nicht erst. Ich habe mich entschieden. Gegen dich. Es war eine schöne Zeit mit dir, aber schönere Zeiten erwarten mich! MacBook und ich sind einfach die perfekten Partner! Verlass mich bitte nie wieder, MacBook!

In Liebe,

S.


17.1.08 23:43


Eine etwas andere Liebeserklärung...

Mein allerliebster Computer!

Ich wüsste nicht, was ich ohne dich anfangen soll. Du bist mein allerbester Freund geworden und begleitest mich überall hin. Ohne dich könnte ich nicht mehr leben, denn mit dir verbringe ich die meiste Zeit des Tages.

Du unterstützt mich bei meinen Vorlesungen tatkräftig. Mein ehemals bester Freund, der College-Block, der hat ausgedient, du bist einfach viel cooler. Und du nimmst mir so viel Arbeit ab, das liebe ich an dir. Wenn ich Tippfehler mache, dann weist du mich sofort darauf hin und sprachlich bist du auch ein Genie, denn mit deinen fließenden Sprachkenntnissen zeigst du mir sofort die Verbesserungen an. Dein Word-Gedächtnis ist wirklich fabelhaft!

Und wenn du erst mal deine Teamarbeit mit dem Internet anfängst, da könnte ich dich abknutschen! Dank dir lebe ich knapp 24 Stunden am Tag online und checke dauernd meine Mails, denn es könnte ja sein, dass ich neue Nachrichten von meiner Uni bekommen habe, die mir sagen, dass irgendwelche Kurse ausfallen. Denn unsere dicke Freundschaft habe ich eigentlich erst Sciences Po zu verdanken, denn sie haben schon viel früher als ich rausbekommen, dass du das einzig Wahre bist. Die gesamte Kommunikation lassen sie über dich laufen. Digital ist eben in!
Wenn ich dann mal ausnahmsweise nicht mit dir zusammen für die Uni arbeite, dann kann ich über dich sämtliche Tageszeitungen lesen, die mir so gefallen: Le Monde, New York Times, Kölner Stadtanzeiger, den Spiegel, FaZ und was nicht sonst noch alles: ich schaue die Tagesschau mit dir zusammen und pflege meine Kontakte in die Welt. Ja, wirklich, du stellst für mich das wichtigste Bindeglied in meine Heimat dar. Und du bringst sie für mich ein Stück näher.

Was würde ich nur ohne dich machen? Meine Zeit damit verschwenden, sinnlose Bücher zu lesen, meine sozialen Kontakte pflegen, entspannen, an die frische Luft gehen. Wozu brauche ich sowas, wenn ich doch dich habe und du mir von meiner Uni so sehr ans Herz gelegt wurdest? Wie sehr ich die Dozenten hasse, die mir verbieten, mit dir zusammen ihre Kurse zu folgen. Da muss ich tatsächlich einen Stift zur Hand nehmen und mitschreiben. Per Hand! Das ist ja wie in der Steinzeit, als die Notizen noch viel persönlicher waren, weil per Hand geschrieben. Da ging das auch noch so schnell mit dem mitschreiben und die wahnsinnige Freude des Tippfehler-Korrigierens war uns noch gar nicht gegönnt…nein, ich vermisse diese Zeit des Noch-Im-Richtigen-Primitiven-Leben-Stehens überhaupt nicht!
Meine Augen werden zwar jeden Tag schlechter und abends habe ich oft Kopfschmerzen weil ich dich immer wieder angucken muss. Aber ich will mich nicht beschweren. Jede Freundschaft erfordert opfer und ich will nicht so egoistisch sein und nur deswegen nichts mehr mit dir zu tun haben. Außerdem - solche Opfer bringe ich doch gerne, mir geht nichts über unsere Freundschaft!!

Natürlich, auch du hast deine Fehler, aber die akzeptiere ich doch gerne, das macht man schließlich so unter besten Freunden. Deine Grundeinstellung gefällt mir zwar überhaupt nicht (ehrlich mal, wie kann man nur Windows Vista haben?) aber ich hoffe deine Therapie im Januar 2008, das Service Pack 1, wird das bessern. Dass du auch dauernd im Streit mit meinem anderen Freund, dem W-Lan, liegst, kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Müsst ihr denn wirklich dauernd aus lauter Frust die Verbindung zueinander abbrechen? Versteht doch, ich brauche euch beide!!

Verlasse mich bitte nie wieder, mein herzallerliebster Computer! Ich hoffe, wir werden uns nie streiten oder uns ernsthaft in den Haaren liegen, denn ich glaube, du kennst meine Schwachstellen und du würdest sie mit einer sadistischen Freude hemmungslos ausnutzen. Du weißt, dass für mich mindestens eine Welt untergehen würde, wenn du nicht mehr mit mir sprechen oder mir den Zugang zu den Früchten unserer gemeinsamen Arbeit verwehren würdest. Aber ich kenne dich doch. Du liebst es zwar rumzuzicken, aber ich kriege dich immer wieder dazu, wieder lieb zu mir zu sein. Was haben wir nur für ein harmonisches Verhältnis! Lass uns für immer zusammen bleiben!!

In Liebe,

S.

21.10.07 23:14


Reflexion über Autoritätsgläubigkeit

In der letzten Woche - wir hatten immernoch unser stage d'intégration - hatten wir 4 Vorlesungen die sich "méthodologie" nannten. Eigentlich sollten wir da etwas über Methoden lernen, vor allem, wie man eine richtige französische Dissertation schreibt. Jetzt wr aber der Dozent ein Philosophiedoktorant...und von den 4 Stunden hat er sich 3 groß und breit über Philosophie ausgelassen und uns die ganzen Theorien von wem auch immer an den Kopf geworfen. Das hat vor allem die Deutschen sehr gestört - und so haben wir nach (wenn überhaupt) einer Stunde Bemühen irgendwie mitzukommen, aufgegeben und sind lieber ins Internet gegangen (es lebe Wlan im Unigebäude!!!) und haben ein bisschen gechattet. Es war ja weniger das Problem, dass der Typ sich so sehr auf die Philosophie konzentriert hat, eigentlich mag ich Philo ganz gerne, auch wenn ich es nie in der Schule gewählt habe, aber wenn er schon eine Powerpointpräsentation als Visualisierung wählt, dann erwarte ich doch irgendwie, dass nicht 2 Stunden auf dem Beamer "Le savant et le politique" steht. Jedenfalls habe ich dann abends mit Franzosen darüber gesprochen, vielmehr, wir hatten eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema. Tenor von ihren Argumenten war tatsächlich:
"Unsere Uni ist die drittbeste in Frankreich, also sind die Profs das auch, und deswegen haben wir nicht das Recht, sie zu kritisieren und sind deswegen außerdem auch verpflichtet aufzupassen"
Auwei - das war ein Schlag ins Gesicht für mich. So hatte ich das nämlich noch gar nicht gesehen. Ich habe viel darüber nachgedacht, aber ich kann so eine Aussage einfach nicht nachvollziehen. Für die Franzosen hier ist es eine wahnsinnige Leistung, an Sciences Po aufgenommen zu sein (ok, für alle anderen auch...), denn diese Universität hat Prestige. Es stimmt schon, In Frankreich ist sie die beste in ihrem Gebiet und weltweit zählt sie glaube ich zu den 10 besten Unis. Aber ja und??? Ich gehe doch nicht auf eine Uni, weil sie Prestige hat, sondern weil mich ihre Fächer interessieren: bei mir war es vor allem die Internationalität und die Pluridisziplinarität, die mich so fasziniert hat. Die meisten Deutschen wusste vorher gar nicht so genau, was genau Sciences Po eigentlich ist. Was mich betrifft - ich habe es schon in Ansätzen gewusst, aber das ganze Ausmaß war auch mir nicht klar. Aber bei den Franzosen? Im Gegentei! Viele sind vor allem aus Prestigegründen hier. Das schließt nicht automatisch aus, dass sie sich für die ganzen Fächer interessieren, aber trotzdem. In den 3 Reden von irgendwelchen Direktoren von Sciences Po haben die Redner sich sicherlich nicht umsonst den größten Teil der Zeit zu dem Thema "Bleibt auf dem Boden, ihr seid nicht besser als die anderen, jetzt gehts erst los, ihr habt noch nichts geschafft" geäußert.
Die Profs der Uni wollen auch gezielt unser kritisches Denken fördern, wir haben zum Beispiel am Ende des Jahres eine große Evaluation, wo wir unsere Profs benoten können. Also soll ich, wenn ich berechtigt und konstruktiv kritisieren will, mit meiner Meinung hinter dem Berg halten, bloß weil es sich nicht schickt, einen Prof zu kritisieren? Nein! Uns Deutschen wurde das anders beigebracht, oder viel mehr, uns wurde dieser Autoritätsglaube nicht eingeflößt. Und das ist auch gut so. Ich möchte weiterhin das Recht haben, etwas zu kritisieren und nicht verpflichtet sein, etwas zu machen, bloß weil das Prestige es verlangt.
Und was dieses schöne Fazit angeht: beste Uni = beste Profs - auch da kann ich nicht zustimmen. Sind nicht so viele hochintellektuelle Menschen so sehr in ihrer Materie drin, dass sie sozusagen die Verbindung zum realen Leben etwas verlieren? Dass sie einfach in einer anderen Welt leben? Oder dass sie sich einfach immer so auf ihr Fach konzentriert haben und dabei ganz vergessen haben, dass man als Dozent auch andere als nur fachliche Fähigkeiten haben sollte? Ich weiß nicht, wie das an meiner Uni ist, das habe ich noch nicht mitbekommen. Aber mein méthodologie Kurs war kein schlechtes Beispiel dafür...
Ich hoffe, dass ich die Probleme, die mir zum Teil schon mein Französisch LK bereitet hat - oder viel mehr die dort vorherrschenden Lehrmethoden und Lehrauffassungen - sich hier so nicht fortsetzen. Das wäre sehr schade, denn dieses Studium ist darauf ausgelegt, unsere heutige Gesellschaft in ihren Tiefen zu durchschauen, um darauf basierend etwas ändern zu können. Sollte unser (deutscher?) natürlicher, kritischer Sinn hier unterdrückt werden, wäre es doch ein starkes Manko...
1.10.07 22:48





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